Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg

Natur in der Stadt – eine Neujustierung

„Sie ist vielleicht beides“, sagt Ausstellungsgestalterin Maike Arnold, „ein Plädoyer für die Naturräume in der Stadt und ein grünes Labor, das alle Besuchenden dazu einlädt, ihr Verhältnis zur Natur zu reflektieren oder auch neu zu justieren.”

Aber von Anfang an: „Naturmodus – Systeme in Bewegung ” lautet der Titel der Sonderausstellung, die wir innerhalb von siebeneinhalb Monaten für und mit dem Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg entwickelt und umsetzt haben. In Bewegung ist das System oder die wechselseitige Beziehung Mensch – Natur allerdings. Stichwort Klimawandel.

In Zeiten des Klimawandels nehmen urbane Naturräume einen zunehmend wichtigen Stellenwert ein. So zeigt die Ausstellung, wie Stadtgrün unsere Lebensqualität verbessert, uns resilienter gegen Klimafolgen wie zum Beispiel Extremwetter macht und wie eng wir mit diesen Räumen verbunden sind. Dabei schafft sie vielfältige Zugänge zwischen sinnlicher Erfahrung, wissenschaftlichen Einblicken und interaktiven Formaten.

Emotionale Wechselbäder

Was gibt ein gutes Gefühl in der Stadt, was macht Angst? Wir setzen diese emotionalen Pole als szenografisches Mittel ein und im Raumbild um. Dabei bewegen sich die Besuchenden ständig zwischen Momenten der Entspannung und Anspannung. Grüne Inseln, wie Oasen stehen für die erhol- und heilsamen Momente. Als willkommene Zufluchtsorte entfalten sie ihre volle Wirkung im Kontrast zu sechs rahmenden Murals, fünf davon als künstlerisch interpretierte Dystopien von Stadt. Hier legt die eigene Fantasie noch eine ,Angstschippe‘ obendrauf. Doch es gibt Auswege! Die Vermittlung von Ursachen, Lösungen und vor allem eigener Handhabe sind zentrale Leitmotive der Ausstellung. Was vom Ausstellungsbesuch bleibt, ist zuerst das Gefühl der Aktivierung und Befähigung.

Grüne Inseln

„Selten konnten wir eine Ausstellung mit so hoher atmosphärischer Aufenthaltsqualität realisieren“, stellt Maike fest. Sitzgelegenheiten sind hier nicht notwendiges Übel, sondern Teil der Inszenierung der grünen Inseln. Auf großen, mehrschichtigen Sitzflächen aus Rasen und inmitten eines Waldes aus Holzleisten und hängenden Textilbannern, präsentieren wir, was die Natur für uns so wertvoll macht.

Zudem waren sich Maike und das Team auch nicht zu schade, in das Färberinnenmetier zu wechseln – mit Erfolg. Die in den Werkstatträumen der GfG gefärbten und getrockneten, fünf und sechs Meter langen Stoffbahnen lassen ein dichtes grünes Blätterdach entstehen und verwandeln den Ausstellungsraum in eine atmosphärische Waldlandschaft.

In Vogelhäuschen, im Boden eingelassenen Kästen, kleinen Vitrinen oder mitten in den Bäumen sind kleine Habitate und ihre Bewohner untergebracht. Audio-, Film- oder Schaukasten-Stationen sorgen für Abwechslung bei der inhaltlichen Vermittlung. Ein Lichtspiel aus Spiegelkugeln erzeugt die Assoziation von durch Blätter einfallendem Licht. Naturgeräusche und ein dezenter Waldgeruch vervollständigen das Bild der grünen Inseln.

Künstlerische Dystopien

Eine Besonderheit der Ausstellung sind die künstlerischen Interpretationen von bedrohlichen Szenarien auf riesigen Murals. Menschengemachter Klimawandel plus Dürre, Feuer, Wasserstress plus Artensterben, Biodiversitätsverlust plus Sturm, Starkregen plus Hitze, Versiegelung und Flächendruck – zusammen entstanden fünf eindrucksvolle Bilder; dazu ein sechstes, das die Rechte der Natur thematisiert. „Was mich besonders freut”, sagt Maike, „es sind Unikate aus der Hand von drei Grafikerinnen und Illustratorinnen der GfG – Anika, Janna und Tanja.”

Ihre Kolleginnen konnten weitestgehend frei agieren und brachten dadurch ihre persönlichen Gestaltungslinien ein. Die daraus entstandene Vielfalt – mal illustrativ, mal plakativ oder bildhaft – lässt die Stadtkulisse mit ihren Brüchen echt und authentisch wirken.

Selbstwirksamkeit und Spielräume

Zwischen Selbstwirksamkeit und Zukunftsfragen rückt unsere Rolle und die Frage in den Fokus, wie wir unsere Lebensräume der Zukunft gestalten wollen und können.

Ein aus dem Werkstattgedanken abgeleiteter Bereich der Ausstellung behandelt eigene Handlungsräume, positive Beispiele und anschlussfähige Initiativen. Interaktive und partizipative Stationen darin laden dazu ein, sich über den weltweiten Einsatz für die Rechte der Natur zu informieren und selbst aktiv zu werden.

Bei der Gestaltung dieses Bereichs konnten wir in besonderem Maße auf Möbel und Exponate aus dem Museumsbestand sowie aus anderen Ausstellungen zurückgreifen, wodurch zugleich vorhandene Ressourcen nachhaltig weitergenutzt wurden.

Wie oft in Ausstellungen, die gesellschaftlich vordringliche Fragen behandeln, ist das Erlebnis mit dem Ausstellungsbesuch nicht beendet. Er könnte im Gegenteil der Startschuss für etwas Neues sein: das persönliche Engagement für den Erhalt und die Stärkung von Naturräumen in der Stadt.

Alle haben mit angepackt

„Gemeinsam mit den Kuratorinnen, der hauseigenen Werkstatt des Landesmuseums und unserem Team konnten wir im engen Budget- und Zeitrahmen eine schöne und berührende Ausstellung realisieren. „Das geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen und von der Sache begeistert sind“, resümiert Maike Arnold.

GfG-Team

Carsten Dempewolf

Konzeption und Projektentwicklung
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Maike Arnold

Projektleitung und Ausstellungsgestaltung
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Kea Diekmann

Ausführungsplanung
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Anika Falke

Grafikdesign und Illustration
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Janna von Lührte

Grafikdesign und Illustration
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Tanja Büsching

Grafikdesign und Illustration
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Michel Iffländer

Carsten Koralewski

Dörte Mahlstedt

Reinzeichnung & Produktion
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