24. September 2020

Helmholtz-Zentrum Geesthacht: Das Erlebnis Spitzenforschung auf einem Quadratmeter

Viel spannende Forschung, wenig Platz. Auf einem Quadratmeter Ausstellungsfläche machen wir die Arbeit des Instituts für Biomaterialforschung erlebbar.



Selbständig wachsende Polymer-Materialien, Langzeitverhalten von bakteriell hergestelltem Bioplastik, minimalinvasive Eingriffe am Herzmuskel … die Forschungsthemen des Helmholtz-Zentrums Geesthacht klingen komplex – und sind es auch. Da mussten wir kurz schlucken, als wir die Anfrage bekamen, diese Themen auf nur einem Quadratmeter Ausstellungsfläche darzustellen. Zum Glück wachsen unsere Gestalter*innen aber gerade bei schwer zu knackenden Nüssen gerne mal über sich hinaus, und so lautete unsere Antwort dann auch schnell: Challenge accepted!

Eine Freiluftausstellung als Antwort auf Corona

Die gewünschte Mikro-Ausstellung ist im Grunde eine Antwort auf Corona. Durch die Pandemie ist in diesem Jahr vieles anders, so auch die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit, der sich zum dreißigsten Mal jährt. Um diesen Anlass gemeinsam mit möglichst vielen Menschen zu würdigen, entschied sich Gastgeberland Brandeburg für eine coronaverträgliche Art des Feierns: eine Freiluftausstellung an zentralen Orten der Landeshauptstadt Potsdam mit Attraktionen aus der ganzen Republik. Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht darf als renommierter Vertreter des Wissenschaftsstandorts Brandenburg seine Arbeit in einem gläsernen Kubus auf dem Alten Markt präsentieren. Für diesen nur ein Quadratmeter großen Kubus galt es, ein Exponat zu entwickeln.

Eintauchen in die Welt der Biomaterialforschung

„Der Wunsch des Kunden und unser Anspruch war es, die Besucher*innen in verschiedene Forschungsthemen eintauchen zu lassen“, sagt GfG-Teamleiter Carsten Dempewolf. „Der Kubus hat zwar eine geringe Grundfläche, aber durch die gläserne Hülle boten sich mehrere Seiten, die wir bespielen konnten.“ Das Team entschied, drei Objekte zu inszenieren, die für richtungsweisende Arbeiten im Bereich Biomaterialforschung am Standort des Zentrums in Teltow stehen: Einen Kaktus, der den Wissenschaftler*innen als Vorbild dient, um synthetische Muskeln für Softroboter herzustellen. Eine PET-Flasche, stellvertretend für eine am Zentrum entwickelte Methode, mit der sich die Lebensdauer von Kunststoffen in Minuten bestimmen lässt. Und ein Herz, für das in Teltow komplexe 3D-Modelle generiert werden, die in der Kardiologie neue Behandlungsverfahren ermöglichen.

Der Biomaterialforschung als Oberthema wird in der Inszenierung nochmal auf spezielle Art und Weise Rechnung getragen: Zig scheinbar schwebende, transparente Punkte füllen den gläsernen Kubus. Die aus Acrylstäben gefertigten und partiell bedruckten runden Plättchen fügen sich, wenn sie aus dem richtigen Winkel betrachtet werden, zu 3D-anmutenden Objekten zusammen. Fräsungen an den Vorderseiten der Plättchen lassen oben und unten in die Stäbe eingebrachtes Licht an den richtigen Stellen brechen und bringen die Objekte zum Strahlen. Für Betrachter*innen entsteht ein einzigartiges schwebendes Mikropartikelbild.

Ein Exponat, viele Blickwinkel

„Uns war wichtig, dass die Betrachtrer*innen die Symbole durch ihre eigene Aktion entschlüsseln“, verrät unsere Kollegin Maren Weinberg. „Sie müssen erstmal selbst forschen und verschiedene Perspektiven einnehmen, um den Weg ins Forschungslabor zu finden.“

Hintergrundinfos zu den Forschungszweigen des Instituts bietet das Exponat nicht nur über Textgrafiken, Besucher*innen mit Smartphones können auch 360°-Rundgänge durch das Forschungszentrum machen, die über QR-Codes abrufbar sind.

Die technische Umsetzung: simpel, aber effektvoll

Carsten Dempewolf gefällt an dem Exponat besonders die simple, aber effektvolle technische Umsetzung: „Wir nutzen vor allem Licht und gefräste Acryl-Partikel und schaffen es damit, ein spektakuläres 3D-Bild zu erzeugen, das sich aus jedem Blickwinkel anders darstellt.“ Davon ist auch der Kunde beeindruckt: „Dass die analogen Hologramme eine so große Wirkung erzeugen, ist sehr beeindruckend“, sagt Patrick Kalb-Rottmann aus der Pressestelle des Helmholtz-Zentrums Geesthacht. „Der Kubus ist ein Highlight der Länderpräsentation, der bei allen Gästen ein Staunen erzeugt hat.“

Noch bis zum 4. Oktober kann das Exponat in Potsdam besucht werden. Danach ist geplant, es gemeinsam mit anderen Objekten auf Wanderschaft gehen zu lassen und an verschiedenen Orten ín Deutschland zu zeigen. Außerdem ist unser Team schon dabei, das Exponat noch ein zweites Mal zu bauen. Diese Kopie soll in der Zentrale von proWissen in Potsdam ausgestellt werden, wo es Wissenschaftsbegeisterte aus ganz Brandenburg besuchen können.



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