
FOCUS 2026: Wenn aus Personas Gesprächspartner:innen werden
Ein ehemaliges Kloster, ein voll besetzter Workshop und viele Gespräche darüber, was KI für Museen leisten kann, und was nicht. Marthe Trottnow und Florian Ullrich waren auf der FOCUS 2026 in Brandenburg dabei. Mit Vortrag, Workshop und Eindrücken dazu, wie KI den Museumsalltag und Gestaltungsprozesse verändert.
Die Fachtagung und Messe FOCUS bringt Menschen aus Museen, Archiven, Wissenschaft, Technologien und Gestaltung zusammen. 2026 stand die Veranstaltung unter dem Titel „KI & Co. im Museum – was geht!?“. Für Marthe und Florian war das der passende Rahmen, um zu zeigen, wie Personas nach ihrer Entwicklung weiter eingesetzt werden können: als Sparringspartner:innen, die Gestaltungsprozesse begleiten und neue Perspektiven einbringen.


Austausch mit Ava und Günther – im Maschinenraum der KI-Personas
Gemeinsam mit Melanie Robinet vom Stadtmuseum Oldenburg berichtete Marthe praxisnah in einem Vortrag, wie aus klassischen Zielgruppen-Personas dialogfähige KI-Charaktere werden können.
Ava und Günther entstanden ursprünglich im Rahmen der Zielgruppenarbeit für das Stadtmuseum Oldenburg. Heute können sie Fragen beantworten, Ideen kommentieren und Konzepte aus ihrer jeweiligen Perspektive hinterfragen. Im Vortrag ging es darum, wie aus den Personas KI-Charaktere wurden, wie sie im Arbeitsalltag tatsächlich eingesetzt werden können, und auch darum, was unterwegs nicht funktioniert hat.

Ins Persona-Labor
Noch am selben Tag folgte der gemeinsame Workshop von Marthe und Florian: „Warum Max Mustermann nicht funktioniert und wie man mit ihm ins Gespräch kommt“. Das Interesse war groß. Durch den Wechsel in einen größeren Raum konnten auch alle Nachrückenden von der Warteliste teilnehmen.
Nach dem Start mit Papier und Stift wurden die entwickelten Persona-Grundlagen mithilfe von KI in erste dialogfähige Prototypen übersetzt. Florian gab parallel Einblicke in den technischen Aufbau und die verwendeten Werkzeuge. Anschließend testeten die Teilnehmenden ihre Charaktere direkt auf dem eigenen Smartphone. Besonders interessant waren dabei Personas, die Menschen abbildeten, die Museen bislang eher fernstehen. Denn gerade ihre Perspektiven helfen dabei, eigene Annahmen über Ansprache, Vermittlung und Nutzung zu hinterfragen.



Der vielleicht wichtigste Faktor: Liebhaben
Marthe brachte während Vortrag und Workshop immer wieder eine eher ungewöhnliche Größe ins Spiel. In ihrer „Persona-Formel“ ist ein Faktor besonders wichtig: Liebhaben. Gemeint ist damit nicht, dass eine Persona sympathisch sein muss. Im Gegenteil: Sie kann unbequem sein, andere Ansichten vertreten oder das eigene Konzept infrage stellen. Entscheidend ist, dass sie so konkret und nachvollziehbar entwickelt ist, dass man gerne mit ihr arbeitet und ihre Perspektive ernst nimmt.
KI diskutieren – miteinander
Zwischen den alten Mauern des Pauliklosters wurde drei Tage lang über neue Technologien gesprochen. Was Marthe und Florian von dort mitgenommen haben, geht dabei über technische Aspekte hinaus: KI zwingt uns dazu, genauer darüber nachzudenken, wie wir arbeiten, welche Perspektiven wir berücksichtigen und wo unsere Verantwortung liegt. Oder, wie Marthe es nach der Veranstaltung formulierte: „Gemeinschaft kann uns keine Maschine abnehmen. Die Verantwortung für unser Miteinander müssen wir zusammen übernehmen.“