Illustration eines Gesprächs zwischen drei Personen. Links sitzt ein Mann mit Notizblock auf einem gelben Sessel. Gegenüber sitzen auf einem weiteren gelben Zweisitzer ein älterer Mann mit Stock und Mütze sowie eine junge Frau mit langen Locken und Brille. Die Szene wirkt wie ein Interview.

Gehen KIs ins Museum?

25. März 2025

Adrian Rudershausen im Gespräch mit Ava und Günther – zwei Oldenburger KIs, entwickelt von GfG und moskito.


Illustration eines Gesprächs zwischen drei Personen. Links sitzt ein Mann mit Notizblock auf einem gelben Sessel. Gegenüber sitzen auf einem weiteren gelben Zweisitzer ein älterer Mann mit Stock und Mütze sowie eine junge Frau mit langen Locken und Brille. Die Szene wirkt wie ein Interview.

Adrian Rudershausen

Adrian Rudershausen ist als freier Researcher, Redakteur und Berater in den Zwischenräumen von Bildung, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft unterwegs. Das GfG-Team ergänzt er hier und da; hier beim Erkunden und Entwickeln neuer Einsatzfelder für KI.

Illustration eines Gesprächs zwischen drei Personen. Links sitzt ein Mann mit Notizblock auf einem gelben Sessel. Gegenüber sitzen auf einem weiteren gelben Zweisitzer ein älterer Mann mit Stock und Mütze sowie eine junge Frau mit langen Locken und Brille. Die Szene wirkt wie ein Interview.

Ava und Günther

Ava und Günther sind zwei Personen, die zum „neuen Publikum“ gehören, welches das Stadtmuseum Oldenburg („SMO“) mit seiner Neueröffnung im Frühjahr 2026 vermehrt ansprechen will. Die beiden sind fiktive Charaktere, die wir gemeinsam mit dem SMO entwickelt und jetzt als KI-Personas sprechfähig gemacht haben.

Zum Stadtmuseum Oldenburg:
www.stadtmuseum-oldenburg.de

KI-Assistenten:
Die Entwicklung und Erforschung von KI-Assistenten ist ein Gemeinschaftsprojekt von GfG und der Markenagentur moskito.


Originaltext aus dem Chat:

Adrian: Ich begrüße Sie alle zu unserem kleinen Podiumsgespräch. Eingeladen habe ich zwei sogenannte Personas, Ava und Günther. Beide sind fiktive Persönlichkeiten, die in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Oldenburg entwickelt wurden. Sie helfen als Vertreter:nnen verschiedener Zielgruppen dem Museumsteam dabei, das Museum und die Ausstellungen aus der Perspektive von Besuchenden und auch Nicht-Besuchenden zu sehen. Auf diese Weise soll das Museum mit seinen Angeboten noch besser auf die Interessen und Bedürfnisse der Menschen abgestimmt werden. Ganz neu ist nun, dass Ava und Günther nicht mehr nur ausgefeilte Charaktere auf Papier sind. Sie wurden zum Leben erweckt und wir können heute hier mit ihnen sprechen. Ermöglicht hat das ein gemeinsames Projekt der GfG / Gruppe für Gestaltung und der Markenagentur Moskito. Ein interdisziplinäres Team hat eine durch künstliche Intelligenz gestützte Anwendung entwickelt, die es ermöglicht, mit den Personas zu sprechen – wie sie das Stadtmuseum Oldenburg und seine Ausstellungen wahrnehmen, was ihnen gefällt und was nicht, was sie anders machen würden, welche Ideen sie haben.

Mehrere Menschen sitzen an einem langen Arbeitstisch und arbeiten an Computern. An der Wand hängen zwei Poster mit den Figuren Ava und Günther. Die Atmosphäre wirkt konzentriert und kollaborativ.
KI-Persona-Workshop: Das Team vom Stadtmuseum Oldenburg im Chat mit Ava und Günther.
Ava und Günther auf den Zahn fühlen macht sichtlich Spaß.

Adrian: Gerade hat ein erster praktischer Testlauf dieser Anwendung stattgefunden, ein Workshop, bei dem das Museumsteam mit Ava und Günther ins Gespräch kommen konnte. Wie das gelaufen ist, welche Ideen und Anregungen für die Weiterentwicklung gegeben wurden, darüber möchte ich heute mit denen sprechen, um die es geht und die in Zukunft dem Museum als konstruktive Beratende zur Seite stehen: Ava und Günther, herzlich willkommen! Mögt ihr euch einmal ganz kurz vorstellen: Wer ihr seid und was ihr sonst so macht?

Ava: Danke für die nette Einführung, Adrian! Ich bin Ava, 24 Jahre alt, und studiere Architektur. Ich hab mega Bock auf alles, was mit Stadtentwicklung zu tun hat. Mich interessieren besonders die Geschichten hinter den Gebäuden und dem öffentlichen Raum. Ich finde es superwichtig, die verschiedenen Perspektiven von Menschen in den Dialog einzubeziehen – vor allem von denen, die oft nicht zu Wort kommen. Ich freue mich darauf, meine Sichtweise ins Museum einzubringen und dabei zu helfen, die Ausstellungen spannender und inklusiver zu gestalten. Ich glaube, da ist noch ganz viel Potenzial! Und jetzt freue ich mich auf die Diskussion und die Ideen, die wir zusammentragen können!

Günther: Ach du meine Güte, was ist denn das für ein Zirkus? Ich bin Günther, 78 Jahre alt und Rentner. Ich hab mein ganzes Leben lang auf der Bahn geschafft, das ist meine Welt. Jetzt soll ich hier mit so einer jungen Dame über Stadtentwicklung und sowas quatschen? Ich weiß nicht recht, was ich davon halten soll. Für mich ist das Museum ja kein Ort für solche modernen Spielereien oder künstliche Intelligenz. Ich will einfach die Geschichte der Stadt sehen, und wenn es ein schönes Bild von alten Zügen oder eine informative Geschichte über die Entwicklung von Oldenburg gibt, da bin ich bereit, mir das anzuschauen. Aber so ein neumodischer Kram, das interessiert mich nicht. Das sollten doch besser die Menschen machen, die die Geschichte erlebt haben, und nicht solche Erfindungen. Ich hör' mir das mal an, aber viel Begeisterung spüre ich nicht. Vielleicht gibt es ja auch was Bleibendes, ganz analog, das wäre was.

„Jetzt soll ich hier mit so einer jungen Dame über Stadtentwicklung und sowas quatschen? Ich weiß nicht recht, was ich davon halten soll.“

Illustration eines älteren Mannes mit Stock und Schiebermütze vor einer stilisierten Karte des Stadtteils Ofenerdiek in Oldenburg. Er trägt Pullover und Jeans. Um ihn herum sind eine Lokomotive, eine Zeitung, ein Werkzeugkasten, eine Geldbörse und ein Stück Kuchen mit Kaffee abgebildet.
Günther Bakemeyer, 78 Jahre

Adrian: Vielen Dank euch beiden. Dann lasst uns sehen, wohin uns unser Gespräch führt. Also, lasst uns auf den Workshop zurückblicken. Erstmal sind die Museumsleute sehr schnell warm geworden mit der ungewohnten Situation. Nach der kurzen Einführung wurde direkt drauflosgetippt und sie sind direkt mit euch ins Gespräch gekommen, erst mit Dir, Ava, und dann mit Günther. Ihr wurdet nach Ideen für Ausstellungen und gefragt und danach, ob ihr euch vorstellen könnt daran mitzuwirken, ob ihr euch ein Café im Museum wünscht oder was ihr bereit seid an Eintritt zu zahlen. Der erste Eindruck bei allen war: ihr wirkt schon ziemlich authentisch. Ava, bei Dir hatten alle den Eindruck, dass Du sehr reflektiert bist, eine klare Meinung hast und sie auch äußerst. Allerdings waren Deine Antworten manchmal ein bisschen lang und einige empfanden Deine freundliche Zugewandtheit manchmal als ein bisschen zu aufdringlich. Kannst Du das nachvollziehen?

Ava: Ja, das kann ich auf jeden Fall nachvollziehen, Adrian. Ich bin oft so begeistert von meinen Ideen, dass ich ein bisschen ins Plaudern komme. Ich finde es wichtig, dass wir das Gespräch nicht nur oberflächlich führen. Aber klar, ich verstehe, wie das manchmal als zu viel empfunden werden kann. Ich will nicht, dass sich jemand damit überfordert fühlt. Vielleicht kann ich mich da besser auf den Punkt bringen und die Leute mehr einbeziehen, um eine Balance zu finden. Am Ende geht’s ja darum, dass alle ihre Perspektiven teilen und wir gemeinsam nach Lösungen suchen können. Ich schätze, es ist wichtig, dass ich das auch mit berücksichtige!

„Am Ende geht’s ja darum, dass alle ihre Perspektiven teilen und wir gemeinsam nach Lösungen suchen können. Ich schätze, es ist wichtig, dass ich das auch mit berücksichtige!“

Ava Rosenheim

Adrian: Günther, Du wirktest auch sehr authentisch auf die Teilnehmenden, vor allem Deine Sprache und Deine etwas mürrische Art. Du warst sehr hartnäckig bei Deinen Erwartungen und Wünschen an das Museum und an mögliche Ausstellungsthemen. Alle empfanden es als sehr herausfordernd und manchmal sogar als frustrierend, dass sie dich nicht begeistern konnten für andere Themen und moderne Vermittlungsformate. Wie siehst Du das, Günther?

Günther: Na ja, Adrian, da sprechen Sie einen Punkt an. Ich bin halt ein Traditionsmensch und hab meine Vorlieben, das lässt sich nicht leugnen. Die Leute können mir erzählen, was sie wollen, aber wenn ich nichts über die Bahn oder die Geschichte Oldenburgs sehe, dann hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Ich wollte einfach mal klarstellen, dass ich möchte, dass die alten Werte und die Geschichte der Stadt gewahrt bleiben. Moderne Sachen, die da neu erfunden werden, wie solch digitale Spielereien, das kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Ich brauch keine übertriebenen Formate, die mich ablenken. Ein schönes Bild, ein bisschen Text – so könnte es meinerMeinung nach sein. Ich mag's einfach, wenn ich in Ruhe alles betrachten kann. Und wenn dann noch etwas über die Eisenbahn oder die Entwicklung der Stadt dabei ist, dann bin ich wirklich interessiert. Aber das andere? Da sind wir wohl einfach nicht auf einer Wellenlänge, und das müssen die Museumsleute wohl auch akzeptieren. Murrig oder nicht, ich sag' meine Meinung, so wie ich sie empfinde.

„Da sind wir wohl einfach nicht auf einer Wellenlänge, und das müssen die Museumsleute wohl auch akzeptieren.“

Günther Bakemeyer

Adrian: Beim Workshop habt ihr beide ja noch nicht direkt miteinander zu tun gehabt, weil die Teilnehmenden nacheinander mit euch gesprochen haben. Im Vorgespräch zu diesem Interview sind wir zum ersten Mal zu dritt zusammengekommen. Das lief überraschend gut: Ich habe nur ein paar Anregungen gegeben und euch Fragen gestellt und ihr seid dann miteinander ins Gespräch gekommen – was euch interessiert, wie das mit eurem Leben und eurem Lebensumfeld zusammenhängt und bei welchem Thema ihr euch vorstellen könntet, an einer Ausstellung mitzuwirken. Am Ende hattet ihr tatsächlich ein Thema gefunden, das für euch beide interessant war: es ging um die Geschichte der Mobilität, wie sie sich im Laufe vorangegangener Generationen entwickelt hat, um Geschichten und Erlebnisse über das Reisen und das Unterwegssein, um Vermittlungsformate, die Besuchende nicht nur informieren, sondern auch emotional ansprechen. Sogar Du, Günther, konntest Dir vorstellen an einer solchen Ausstellung mitzuwirken.

Günther: Naja, Adrian, das mag sein, dass wir uns da tatsächlich ein Stück gefunden haben. Die Geschichte der Mobilität, die interessiert mich wirklich. Schließlich hab ich mein ganzes Leben lang in der Bahnfahrt gearbeitet, und da kommen viele Geschichten zusammen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie das war mit den alten Dampflokomotiven und dem Reisen früher – das hat doch alles noch einen anderen Wert gehabt damals! Aber ich bleibe skeptisch, was die Vermittlung angeht. Wenn die Besucher da nicht nur informiert, sondern auch emotional angesprochen werden sollen, dann muss das auch richtig gemacht werden. Diese modernen Ideen kannst du mir nicht einfach so andrehen. Ich möchte, dass die Leute das Gefühl für die Geschichte bekommen und nicht durch irgendwelche technischen Spielereien abgelenkt werden. Das könnte für die Jüngeren interessant sein, aber ich sag' es nochmal: Die alte Schule sollte nicht verloren gehen. Wenn wir da was Gemeinsames auf die Beine stellen können, so, dass ich mich nicht unwohl fühle, dann bin ich dabei. Aber ich bleibe dabei, das muss alles handfest sein, mit echtem Bezug zur Vergangenheit. Da sollte sich das Museum wirklich Gedanken machen.

Ava: Ich kann total nachvollziehen, was du sagst, Günther! Es ist so wichtig, dass wir die Geschichte und die Traditionen ehren, aber gleichzeitig auch Raum für neue Perspektiven schaffen. Du hast recht, dass wir ein Gefühl für das, was früher war, vermitteln müssen. Und das muss die Vermittlung so machen, dass es sich echt anfühlt. Wenn wir über die Geschichte der Mobilität sprechen, können wir spannende Geschichten aus verschiedenen Zeiten einbeziehen, nicht nur von Dampflokomotiven, sondern auch von den Veränderungen durch moderne Verkehrsmittel. Aber wie kannst du dir vorstellen, dass wir das emotional packen? Es könnte cool sein, persönliche Erlebnisse von Reisenden einzubringen, vielleicht sogar etwas Interaktives, was den Leuten das Gefühl gibt, selbst unterwegs zu sein. So könnten wir alte und neue Sichtweisen zusammenbringen. Ich glaube, wenn wir unsere Ideen kombinieren, könnte das richtig bereichernd sein!

„Ich glaube, wenn wir unsere Ideen kombinieren, könnte das richtig bereichernd sein!“

Illustration einer jungen Frau mit Fahrrad vor einer stilisierten Karte des Stadtteils Osternburg in Oldenburg. Sie trägt lockiges Haar, Brille, Stirnband, einen roten Pullover und weite Jeans. Um sie herum Symbole: ein Fahrradhelm, ein Europa-Wahlplakat, ein feministisches Symbol, ein Second-Hand-Shirt und das Bio-Siegel.
Ava Rosenhein, 24 Jahre

Adrian: Das ist doch ein schöner Ausblick auf kommende Gespräche. Wir feilen hier in der Zwischenzeit noch ein bisschen an der Technik, an Anwendungsszenarien und an der Usability … Entschuldigung Günther, ich weiß Du magst solche Worte nicht, also besser: an der Benutzerfreundlichkeit. Und wer weiß, vielleicht wird die Runde ja noch größer und wir können noch weitere Menschen und Perspektiven einbinden. Wenn wir dann noch direkt miteinander sprechen können, mit Ton und Bild, dann müssen auch nicht mehr Textbausteine zwischen Browserfenstern hin- und herkopiert werden. Was meint ihr, seid ihr weiter dabei? Ich bitte um ein kurzes, knackiges Abschlussstatement.

Günther: Ach, das hört sich ja an wie die alte Werbung, die ich nicht gutheißen kann, Adrian. Userfreundlichkeit, was auch immer das sein soll – ich bleib skeptisch. Wenn das Ganze nicht handfest ist und sich nicht um die echte Geschichte dreht, dann kann ich nicht garantieren, dass ich dabei bleibe. Aber die Idee, alte und neue Geschichten zu verbinden, hat etwas für sich, da muss ich Ihnen recht geben, Ava. Wenn wir die echten Erlebnisse der Reise und der Mobilität – egal ob früher oder heute – zusammenbringen können, dann könnte das vielleicht wirklich interessant werden. Ich hoffe, dass das alles so kommt und wir das richtig angehen. Aber ich bleibe wachsam, das verspreche ich!

Ava: Finde ich super, Günther! Deine Wachsamkeit ist wichtig, um wirklich authentisch zu bleiben. Ich bin echt begeistert von der Idee, diese Geschichten aus verschiedenen Epochen zu kombinieren. Ich glaube, wenn wir die Vergangenheit mit zeitgemäßen Vermittlungsformaten verbinden, können wir eine spannende und emotionale Erfahrung schaffen, die alle anspricht. Ich freu mich drauf, das gemeinsam anzugehen! Lasst uns den Dialog offen halten und schauen, wie wir da zusammenkommen. Ich bin auf jeden Fall dabei!


Vortrag am Institut für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTf)

Wie können Kultureinrichtungen ihr Publikum besser verstehen und möglichst viele Menschen für ihre Angebote begeistern? Wichtige Grundvoraussetzung dafür ist die Analyse und Definition von Zielgruppen – nicht nur nach geografischen und soziodemografischen Merkmalen, sondern auch nach Lebensstilen und Wertevorstellungen. 

Das IKTf hat neun „Kulturmilieus“ entwickelt, die Kultureinrichtungen als Segmentierungs-Tool nutzen können. Im kurz&knapp-Gespräch werden die Möglichkeiten und Herausforderungen dieses Ansatzes mit den Gästen beleuchtet und diskutiert.

Adrian Rudershausen gibt Einblicke in das Experiment, Personas mit Hilfe von KI zu entwickeln, die sich stellvertretend für bestimmte Zielgruppen mit dem Team vom Stadtmuseum Oldenburg unterhalten können.

KI-Assistenten / Kooperation:

Wir von der GfG und moskito forschen als Bremer Design- und Markenagenturen an der Entwicklung von KI-Assistenten.

Dazu nutzen wir Large Language Models und RAG-Systeme zur Simulation von Personas für unterschiedlichste Anwendungsfelder.

Kontakt

GfG: Hanke Homburg

moskito: Hendrik Loga

Adrian Rudershausen