Step by Step

Demokratie vermitteln und erlebbar machen: für jede:n allein und alle zusammen

  • Ausstellungen und Szenografie
  • Messestanddesign
  • Workshops

Gemeinsam mit dem Bürgerzentrum Neue Vahr e. V. entwickelten wir die Wanderausstellung „Step by Step“ zum Demokratieverständnis. Spielerisch setzen sich die Besucher:innen mit aktuellen Fragen und ihrer eigenen Haltung dazu auseinander, lernen andere Sichtweisen kennen, vertreten ihre eigene Meinung und erfahren, welche Bedeutung es hat, sich einzubringen.

Wir leben in einer Demokratie, natürlich! Doch so selbstverständlich ist das nicht. Die Geschichte und gerade auch die Gegenwart zeigt uns, wie wichtig es ist, Demokratie zu verstehen und aktiv zu leben. Deshalb ist es notwendig, dass Menschen – und vor allem auch junge Menschen – ebenso frühzeitig die Werte der Demokratie kennenlernen und sie leben, wie zum Beispiel auch jene, die aus ihrem Land fliehen und in einem demokratischen Land Zuflucht suchen. Ziel der Ausstellung „Step by Step – Demokratieräume“ ist es, verschiedene Aspekte der Demokratie zu vermitteln und zum Nachdenken anzuregen. Dabei setzen sich die Besucher:innen nicht nur mit den eigenen Wert- und Demokratievorstellungen auseinander, sondern auch mit den Ansichten und Werten anderer. Und das passiert, wie der Titel schon verrät, Schritt für Schritt.

Beim Ausstellungsaufbau wählten wir, die GfG und das Bürgerzentrum Neue Vahr, eine kreisförmige Anordnung, welche verschiedene Lern- und Interaktionsstationen beinhaltet, die nacheinander bis zum Kreisinneren erkundet werden können. Die interaktiven Stationen, an denen sich die Gäste zunächst mit ihren Eigenschaften näher auseinandersetzen, umschließen einen „Marktplatz“, auf dem drängende und kontrovers diskutiere Themen der Demokratie angesprochen und verschiedene Ansichten aufgezeigt werden. Die Besucher:innen stellen außen fest, dass sie eine gewisse Meinung und Haltung in sich tragen und können diese auf dem Marktplatz prüfen und einbringen. Beim Koalitionsspiel lernen sie zum Beispiel, die eigene Meinung in einer Diskussion zu vertreten. Bei einer Pressekonferenz werden sie dazu motiviert, ihre eigene Haltung offen zu kommunizieren und sich zu engagieren. Deswegen stehen das Mitmachen und Interagieren miteinander im Fokus.

Gleich zu Beginn werden die Besucher:innen zu einer Aktivität aufgefordert – und zwar zum Griff nach einer Postkarte. Diese gestalteten wir, damit die Besucher:innen ihre Erfahrungen und Meinung während ihres Rundgangs schriftlich festhalten können. Zum Schluss folgt dann der Einwurf in den Ausstellungsbriefkasten. Nach einigen Wochen erhalten die Besucher:innen ihre Postkarte zurück. Auf diese Weise bietet sie so als Reminder die Chance, sich zeitverzögert nochmal gedanklich mit dem Thema und den Erfahrungen auseinanderzusetzen.

Fürs Wandern konzipiert

„Das Besondere ist, dass sich die modulare Ausstellung flexibel an unterschiedliche Räume anpassen lässt. Darauf haben wir sehr viel Wert gelegt. Die Wanderausstellung wird an mehreren Orten und somit auch in unterschiedlichen Locations zu sehen sein.“, erklärt GfG-Kollegin Nadine Ahlers. „Aus diesem Grund haben wir uns bei den Aufstellern und zum Teil auch beim Mobiliar für OSB-Platten entschieden, ein warmes und haptisches Material, das eine offene und nahbare Zugänglichkeit ermöglicht und zum temporären Charakter der Ausstellung passt – baulich sowie inhaltlich, da auch wir uns immer weiterentwickeln. Außerdem ist der Großteil der Module klappbar und somit leicht auf- und abzubauen und zu transportierten." Erarbeitet wurden die Inhalte in gemeinsamen Workshops mit dem Team des Bürgerzentrums, welches auch die Redaktion übernahm und sich um die Website der Ausstellung kümmert. Auch auf der Website zu finden: Unsere Ausstellungsgrafik, die für kommunikative Zwecke verwendet wird und so die Ausstellung zum Anker einer umfangreichen Aktion macht. „Wir befanden uns in einem sehr engen Austausch mit dem Bürgerzentrum. Es war ein besonderer Arbeitsprozess, da sich die Inhalte und das Ausstellungskonzept gleichzeitig und somit auch gemeinsam entwickelt haben.“, ergänzt Nadine.
 

Demokratielots:innen regen zum gemeinsamen Austausch an

Schulen, Jugendvereine, Bürgerzentren, Berufsschulen: Sie stehen im Fokus als Ausstellungsorte. Orientiert an der Zielgruppe wurden für die Ausstellungsbesuche sogenannte Demokratielots:innen ausgebildet, die auf Rückfragen eingehen, Denkprozesse anregen und interaktive Stationen begleiten. „Die ersten Schulklassenbesuche haben gezeigt, dass sich die Schüler:innen wirklich intensiv mit den Inhalten beschäftigen. Während der Ausstellungsbesuche wurden die Klassen immer ruhiger und konzentrierter – und gleichzeitig haben sie sich aktiv an den Stationen beteiligt und miteinander diskutiert.“, schildert Carsten Dempewolf, GfG-Geschäftsführer. „Wir freuen uns sehr, dass uns das mit den verschiedenen Demokratieräumen und den vertiefenden Stationen gelungen ist und dass mit den Lots:innen des Bürgerzentrums Neue Vahr verstärkt der Austausch gefördert wird.“

 

Vielseitiger Zugang zum Demokratieverständnis 

Die Vermittlung verschiedener demokratischer Werte basiert auf dem Konzept der „inneren“ und „äußeren“ Demokratieräume. Zehn Stationen widmen sich den inneren Demokratiewerten. Für eine spielerische Vermittlung haben wir verschiedene Hand-On-Exponate entwickelt: Mehrere Spiegelelemente lenken den Blick verstärkt auf die eigene Person. Wie selbstsicher bin ich? Gestaltet als Vogue-Cover können die Besucher:innen zum Beispiel bei dieser Station ihr eigenes Fotos schießen – und sich dabei verstärkt mit dem eigenen Bewusstsein auseinandersetzen. Anhand von Gucklöchern und Tastkästen können sie herausfinden, wie neugierig sie sind. „Bitte nicht reinfassen!“ Und: „Reinfassen auf eigene Gefahr.“ Na, wer kann da widerstehen? Beim Drehen des Mutprobenrads können sie sich neuen Herausforderungen stellen. Ergänzt werden die spielerischen Elemente immer durch einen kurzen Informationstext, der zum Nachdenken anregt und zur Handlung an der Station auffordert.

Nachdem die Besucher:innen sich mit sich selbst auseinandergesetzt und mehr über sich erfahren haben, lernen sie bei den äußeren Demokratieräumen mehr über zehn ausgewählte Demokratie-Themen, wie zum Beispiel Religionsfreiheit, Presse- und Meinungsfreiheit, Zugang zur Bildung, sexuelle Freiheit oder Gleichberechtigung. Schon aus der Ferne erhalten die Besucher:innen dabei einen Einblick – und zwar visuell über große und laute Illustrationen, die die Aufsteller schmücken. Sie stellen die Informationen vereinfacht dar und ermöglichen neben einem leichten visuellen Verständnis einen emotionalen Einstieg in jedes Thema. Auf der Rückseite heißt es dann wieder: Mitmachen! Bei einem Memory-Spiel erfahren die Besucher:innen mehr über verschiedene Bildungschancen auf der Welt. In einem Suchbild geht es darum, mithilfe eines Farbfilters verschiedene Fakten zum Thema Gleichberechtigung zu entschlüsseln. Und durch das Aufklappen eines großen Zeitungsmodells erfahren sie, wie es in anderen Ländern mit der sexuellen Freiheit aussieht.

Audiovisueller Einblick: 10 Länder, 20 Personen, 12 Fragen, 240 Antworten

Viel gelesen, erfahren, aktiv geworden: Jetzt ist das Zuhören gefragt. Für die im Zentrum befindende Länderstation entwickelten wir einen dreiseitigen Aufsteller, über den sich eine Wandgrafik in Form einer Weltkarte erstreckt. Denn hier erzählen Menschen, die in verschiedenen Ländern aufgewachsen sind und mittlerweile in Deutschland leben, ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema Demokratie. Die Anordnung der verschiedenen Profilbilder geben einen Einblick, wer zu Wort kommt und über welche Länder in den Erfahrungsberichten gesprochen wird. Wie steht es um Frauenrechte in meinem Land? Worunter habe ich in meinem Land am meisten gelitten? Was ist für mich das Wichtigste an einer Demokratie? Anhand von zwölf Fragen geben die unterschiedlichen Interviewpartner:innen in kurzen Videoclips, erstellt durch das Team des Bürgerzentrums Neue Vahr, nacheinander einen Einblick in ihre Erlebnisse. „Die Besucher:innen wählen die Fragen aus und erhalten dann in einem Schwung die Antworten von allen Personen. Hier war uns die Gegenüberstellung verschiedener Meinungen und Ansichten zu einer Frage sehr wichtig, da in einer Demokratie auch unterschiedliche Ansichten nebeneinander stehen.“, erzählt Nadine. Alle Videos sind zusätzlich online abrufbar. Über einen QR-Code gelangen die Besucher:innen zu den jeweiligen Interviews in voller Länge.

Das Koalitionsspiel: Mitbestimmung erleben und Meinung vertreten

Vier Themen, sechs Parteien, eine Koalition: Was für viele wahrscheinlich zunächst etwas trocken klingen mag, kann sich schnell als sehr spannend herausstellen. Denn beim Koalitionsspiel geht es auch mal heiß her. Für eine Koalitionsbildung diskutieren die Spieler:innen gemeinsam über verschiedenen Parteimeinungen zu den Themen Bildungspolitik, Klimapolitik, Flüchtlingspolitik und Sozialpolitik. „Hier geht es also noch einen Schritt weiter. Die Teilnehmenden hören nicht nur, was andere sagen und äußern ihre eigene Meinung. Wir lassen sie an einem Tisch zusammenkommen, an dem sie ihre Aussagen aussagekräftig vertreten und dafür einstehen müssen.“, so Nadine. Festgehalten wir das Spielergebnis am großen Spielaufsteller.

Besucher:innen zu Wort kommen lassen

Nach einem Schritt hinter das Pult in das Licht der Scheinwerfer ertönt Applaus. „Ich gehe wählen.“ „Ich werde meiner Familie erklären, was Demokratie bedeutet.“ „Ich möchte mich in der Gesellschaft engagieren.“ Damit die Besucher:innen sich verstärkt darüber Gedanken machen, was sie zur Demokratie beitragen können, integrierten wir in der Ausstellung einen Pressebereich, bei dem die Besucher:innen bei einer nachgestellten Pressekonferenz als Sprecher:innen hinter dem Pult stehen und ihr Handeln formulieren können. Auf der gegenüberliegenden Seite des Pults steht ein:e Pressevertreter:in, verkörpert durch eine Lotsin oder einen Lotsen, sodass sich die Gäste durch ein Frage-Antwort Ping Pong mit sich selbst und ihrer Rolle in einer Demokratie verstärkt auseinandersetzen können. Das formulierte Ziel wird anschließen auf einer Sprechblase niedergeschrieben und an der magnetischen Rückwand aufgehängt, sodass die Aussagen Teil der Ausstellung werden und am Ende jedes Gruppenbesuchs ein Stimmungsbild zu erkennen ist.

Step by Step – eine Ausstellung, die vielseitige Zugänge, verschiedene Lernstationen und Interaktionsmöglichkeiten bietet. Um ein optimales Besuchserlebnis zu ermöglichen, widmeten wir uns verschiedenen Aufgaben: Szenografie und Ausstellungsplanung, Ausstellungsumsetzung, Ausstellungsgrafik, Illustration und Konzeption und Entwicklung der interaktiven Spielstationen.

Wer Interesse an der Ausstellung hat, kann sich über das Kontaktformular auf der Website melden. Die Länderstation steht als Kernelement der Ausstellung zwei Mal zur Verfügung. Bei räumlich begrenzten Kapazitäten kann diese Station auch unabhängig von den anderen Ausstellungsbereichen gebucht werden. Konzipiert wurde die Ausstellung zunächst auf Deutsch. Über die Website und eine begleitende App sollen aber noch zusätzlich andere Sprachen eingebunden werden, um einen barrierearmen Zugang zu ermöglichen.

Step by Step – Demokratieräume wird gefördert durch das AMIF, GEWOBA AG, Europäische Union und das Bürgerzentrum Neue Vahr e. V.