23. Oktober 2020

Logistics4Future: „Wir wollen auf fachlicher Ebene provozieren“

Das Thema Nachhaltigkeit nur unter ferner liefen? Als Nele Traichel, studentische Regionalgruppensprecherin der Bundesvereinigung Logistik (BVL) für Sachsen-Anhalt, vergangenes Jahr den Deutschen Logistik-Kongress besuchte, war sie enttäuscht darüber, wie wenig die Branche über Strategien für nachhaltiges Handeln explizit diskutierte. Beim Veranstaltungsteam der BVL rannte sie mit ihrer Kritik offene Türen ein. Damit war der Grundstein für die Initiative „Logistics4Future“ gelegt.



Nele, du hast vor einem Jahr mit deiner kritischen Rückmeldung an die BVL dazu aufgefordert, das Thema nachhaltige Logistik stärker in den Fokus zu rücken. Erzähl doch bitte kurz, was war damals der Auslöser für deine Kritik?

Nele: Ich habe vergangenes Jahr den Deutschen Logistik-Kongress besucht, und da ist mir aufgefallen, wie wenig Beiträge das Thema Nachhaltigkeit explizit behandeln. Gemessen daran, wie wichtig dieses Thema ist und wie stark es inzwischen auch unseren Alltag durchzieht, war es deutlich unterrepräsentiert.

Als du dieses Feedback an das Veranstaltungs-Team der BVL gegeben hast, was hast du dir davon erhofft?

Nele: Der Kongress ist eine so große und wichtige Veranstaltung, da geht man nicht direkt davon aus, dass die Stimme einer einzelnen Teilnehmerin großen Einfluss nehmen kann. Ich dachte, dass im besten Fall beim diesjährigen Kongress ein, zwei Programmpunkte mehr zum Thema Nachhaltigkeit angeboten werden würden. Und nun durfte ich gemeinsam mit Kirsten Schröder und Marius Roy von der BVL die Initiative Logistics4Future anstoßen und entwickeln, die auf dem diesjährigen Kongress prominent präsentiert wird – dieser Rückenwind von Seiten der BVL hat mich schon begeistert.

Was sind aus deiner Sicht die größten Hindernisse, wenn es darum geht, die Logistik nachhaltiger zu gestalten?

Nele: Ich denke, das hat vor allem mit dem Mindset zu tun, und zwar aller Beteiligten. Zum einen sind da die Konsument*innen, die viel stärker berücksichtigen müssten, wo und was sie einkaufen. Zum anderen müssen aber auch Unternehmer*innen ihre Denk- und Handlungsmuster hinterfragen. Bei vielen existiert das Kriterium Nachhaltigkeit bisher gar nicht.

Inwiefern ist Logistics4Future ein Instrument, diese Hindernisse abzubauen?

Nele: Ich betrachte Logistics4Future vor allem als einen wichtigen Anstoß und als ein Forum, damit sich Logistiker*innen vernetzen und über Nachhaltigkeitsthemen austauschen können. Es geht auch darum, Lösungswege aufzuzeigen. Wir wollen in der Logistik zum Umdenken anregen, indem wir provozieren – natürlich immer auf fachlicher Ebene. Dann dürfen wir nicht vergessen, dass die Logistik dringend Nachwuchskräfte braucht. Unternehmen, die Nachhaltigkeit in ihrer Strategie verankern, sind zukunftsfähiger und werden sich im Wettbewerb um junge Talente durchsetzen. Die Unternehmen können es sich also gar nicht erlauben, die Stimmen der jungen Generation zu ignorieren. Und diese Stimmen bündelt Logistics4Future.

Wie hast du den Auftakt-Workshop erlebt?

Nele: Ich fand die Energie, die die Teilnehmenden mitgebracht haben, inspirierend. Das sind sehr kreative Köpfe, denen das Thema am Herzen liegt.

Was ist aus deiner Sicht das wichtigste Ergebnis?

Nele: Das Wichtigste ist, dass dieses Netzwerk entstanden ist, dass wir diese Gruppe zusammengebracht haben aus jungen Leuten, die in der Logistik etwas verändern wollen.

Wie geht es für dich persönlich jetzt weiter – hast du konkrete Pläne, in der Initiative weiterzuarbeiten?

Nele: Auf jeden Fall. Als Mitinitiatorin des Ganzen sehe ich meine Aufgabe darin, den Austausch im Netzwerk weiter zu pushen. Ich werde die Leute nerven, auf positive Art.

Nele Traichel studiert Digital Engineering an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Sie ist studentische Sprecherin der BVL-Regionalgruppe Sachsen-Anhalt.

Fulminanter Auftakt

„Bestes Arbeitsumfeld Logistik!“, fordert ein Transparent, das eine Studentin vor unserer ID-Werkstatt in die Höhe hält. Neben ihr trägt ein junger Mann ein Plakat mit der Aufschrift “Decarbonize Now!”. Insgesamt sind es ein gutes Dutzend junger Menschen, die sich draußen vor der GfG versammelt haben und ihre Forderungen nach einer nachhaltigeren Logistik verkünden. Was anmutet wie eine kleine Demonstration mitten in der Bremer Überseestadt, ist in Wirklichkeit die Auftaktveranstaltung zu „Logistics4Future“.

 

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„Wir setzen bewusst auf den Nachwuchs“

Wenn die Logistik nachhaltiger werden soll, braucht es die Impulse der jungen Generation, finden Kirsten Schröder und Marius Roy von der Bundesvereinigung Logistik (BVL). Gemeinsam mit Nele Traichel entwickelten sie die Initiative Logistics4Future.

 

Zum Interview mit Kirsten und Marius



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