20. Juni 2022 | Interview

Neue Website für das Sozialwerk St. Georg: Ein Schaufenster für soziale Dienstleistungen

Soziale Dienstleistungen gehören auch ins Web. Die Leiterin der Kommunikation beim Sozialwerk St. Georg und der Senior Web Konzeptioner der GfG erzählen, wie es geht.



Alexandra Aulbach (l.) ist Leiterin der Unternehmenskommunikation im Sozialwerk St. Georg. In ihrem Verantwortungsbereich liegen unter anderem die digitalen Medien des Sozialwerks. Sean Roller ist Experte für Webkonzepte und UX Design. Er berät Kund:innen der GfG bei Ihren Websites und Digitalstrategien.

Frau Aulbach, Sie haben für das Sozialwerk St. Georg den Relaunch der Website betreut. Was hat bei der alten Seite nicht mehr gepasst?

Alexandra Aulbach: Die alte Website gab es schon sehr lange, mehr als zehn Jahre. Mal abgesehen davon, dass sie damit inzwischen ziemlich aus der Zeit gefallen war und neuere Kommunikationsmöglichkeiten ungenutzt ließ, passte die Struktur auch nicht mehr zu unserer Ausrichtung. In den vergangenen Jahren haben wir in unserer Kommunikation die Klient:innen und ihre Bedürfnisse stärker in den Blick genommen, wir haben eine nutzerorientierte Perspektive eingenommen. Die Website war aber überhaupt nicht aus Sicht der Nutzer:innen aufgestellt. Wenn diese sich zum Beispiel über Wohn- oder Arbeitsangebote in ihrer Nähe informieren wollten, mussten sie ewig danach suchen. Das wollten wir ändern und die Angebote in den Vordergrund stellen.

„Wir nehmen Klient:innen und ihre Bedürfnisse stärker in den Blick.“

Alexandra Aulbach

Sean, du hast den Relaunch mit dem GfG-Web-Team begleitet. Wie seid ihr vorgegangen, um einen Plan für die neue Website zu entwickeln?

Sean Roller: Wir haben den Auftrag über eine Ausschreibung gewonnen und noch in der Bewerbungsphase viele Fragen gestellt, bevor wir an die Entwürfe gegangen sind. Schon in unserer Bewerbung haben wir gesagt, dass wir einen großen Workshop mit allen Beteiligten planen. Der fand dann zum Projektauftakt bei uns in der iD-Werkstatt statt, wo wir uns mit dem Team des Sozialwerks gemeinsam die alte Website angeschaut haben. Wir haben uns die Mühe gemacht, einmal alle Inhalte auszudrucken und aufzuhängen. Da waren dann die kompletten Wände voll, aber das war sehr hilfreich. Die Erkenntnis war schnell, dass zu viele sekundäre Themen auf der Website sind und die relevanten Angebote untergehen. Gemeinsam haben wir entschieden, dass die neue Website stärker als Schaufenster und Ladentheke für die Klient:innen aufgebaut werden soll. Bei der weiteren Ausarbeitung unserer Entwürfe haben wir uns an dieser Grundidee orientiert.

Eine Mühe, die sich gelohnt hat: Im gemeinsamen Workshop lagen alle Inhalte der alten Website einmal ausgedruckt vor. So bekamen die Teams aus der GfG und aus dem Sozialwerk schnell ein gutes Gefühl dafür, wie stark und an welcher Stelle aufgeräumt werden muss und wo künftig Akzente gesetzt werden sollen.

Wie habt ihr diese Anforderung dann auf der Website konkret umgesetzt?

Sean Roller: Auf der neuen Website nehmen wir uns sehr viel Raum für die Angebote. Auf der Startseite sehe ich jetzt alle Dienstleistungen des Sozialwerks auf einen Blick. Im Zentrum steht ein Angebote-Finder, den die Nutzer:innen nach ihren ganz individuellen Bedürfnissen konfigurieren können – nach der Art des Angebots und der Region etwa. So brauchen Sie nur ganz wenige Klicks, um Ergebnisse zu erhalten, die genau auf sie zugeschnitten sind.

Die neue Website ist nun seit einigen Monaten online. Wie geht es dem Sozialwerk St. Georg damit?

Alexandra Aulbach: Sehr gut. Wir merken jetzt schon, dass unsere Angebote sehr viel besser ankommen bei den Menschen, die wir erreichen wollen. Zum Beispiel haben wir viel mehr Anfragen für Beratungsgespräche. Das liegt auch daran, dass wir auf der Website nicht nur eine zentrale Ansprechperson nennen, sondern für jede einzelne Einrichtung die Ansprechpartner:innen mit ihren Kontaktdaten aufführen und über eine Suchfunktion schnell auffindbar machen. Diesen Service hatten wir auf der alten Seite nicht. Außerdem haben wir ein Bewerber-Management-System implementiert und mit der neuen Seite gelauncht. Es ist nun viel bequemer als früher, nach Stellenangeboten zu suchen und eine Bewerbung einzureichen, und das hat sich bereits in den Bewerbungszahlen niedergeschlagen: Wir bekommen mehr Bewerbungen auf unsere Stellenanzeigen, aber auch Initiativbewerbungen.

„Wir merken jetzt schon, dass unsere Angebote sehr viel besser ankommen.“

Alexandra Aulbach

Die neue Website rückt die Angebote stärker in den Vordergrund. Auf der Startseite sehen diee Nutzer:innen alle Dienstleistungen des Sozialwerks auf einen Blick.

Würden Sie zustimmen, dass Unternehmen aus der Sozialwirtschaft heute genauso professionell im Web unterwegs sein müssen wie klassische Wirtschaftsunternehmen?

Alexandra Aulbach: Es geht definitiv nicht ohne digitale Angebote. Natürlich sind nicht alle unsere Klient:innen digital unterwegs, viele aber schon. Außerdem sprechen wir ja auch Angehörige, rechtliche Betreuer:innen, Vertreter:innen von Behörden und anderen Institutionen an, und wir wollen neue Mitarbeitende gewinnen. Da müssen wir digital gut aufgestellt sein.

Sean Roller: Das hat mir übrigens an der Zusammenarbeit gut gefallen, dass Ihr Team das Digitale immer wieder hochgehalten hat und gesagt hat: „Wir müssen hier moderner werden und wir müssen auf der Website neue Sachen ausprobieren und diese immer weiterentwickeln.“ Das ist eine iterative Denkweise, die uns sehr nahe ist. Für uns ist eine Website ein Produkt, das sich mit dem Unternehmen weiterentwickelt. Leider setzen Unternehmen nach einem Relaunch oft einen Schlusspunkt und fassen die Website nicht mehr an, und das ist dann eine verpasste Chance.

„Viele Klient:innen sind digital unterwegs. Da müssen wir digital gut aufgestellt sein.“

Alexandra Aulbach

Sean, was macht die neue Website aus deiner Sicht aus?

Sean Roller: Ich bin auf jeden Fall froh, dass das der Angebote-Finder so funktioniert, wie wir uns das überlegt hatten. Dass Nutzer:innen schnell zu guten Suchergebnissen kommen, ist für mich ein wesentlicher Unterschied zur alten Seite. Und natürlich freut es mich, dass die Gestaltung im Großen und Ganzen so wirken kann, wie sie von uns vorgesehen war. Die Inhalte für die Website kommen aus vielen verschiedenen Einrichtungen und sind zum Teil unterschiedlich aufbereitet, da brauchten wir einen Rahmen, der trotzdem alles gut aussehen lässt. Wir haben die Seite modular aufgesetzt und arbeiten mit einem Baukasten, sodass man immer genau die Elemente auswählen kann, die man braucht.

Alexandra Aulbach: Dieser Baukasten ist für unsere Arbeit wirklich großartig. Auch jetzt im Nachhinein können wir daraus noch immer genau das bauen, was wir gerade benötigen, und die Seite so genau nach unseren Wünschen weiterentwickeln.

Mit dem Angebote-Finder bekommen Nutzer:innen speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Suchergebnisse.

Haben Sie noch einen persönlichen Tipp für Unternehmen oder Organisationen, die einen Relaunch ihrer Website planen?

Alexandra Aulbach: Ich glaube, die Vorgehensweise aus dem Workshop ist schon sehr gut: Man sollte sich am Anfang einmal möglichst bildlich vor Augen führen, welche Inhalte es gibt und welche davon wirklich benötigt werden. Und genau überlegen, wen man erreichen will und wie die Inhalte für diese Menschen aufbereitet werden müssen. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind und man sich auf das Wesentliche besinnen kann, sollte man an die Struktur gehen. Hilfreich für uns war, dass wir immer das Gefühl hatten, wir haben eine Agentur an unserer Seite, die hat sich eingearbeitet und denkt inhaltlich mit. Das habe ich auch schon anders erlebt.

Sean, was wäre dein persönlicher Tipp?

Sean Roller: Ein Punkt, den wir als Agentur oft nur am Rande mitgestalten können, den ich aber sehr wichtig finde, ist die interne Kommunikation. Wie kann ich einen Relaunch so nach innen kommunizieren, dass sich alle mitgenommen fühlen oder auch selbst einbringen können?

Alexandra Aulbach: Das stimmt. Sie hatten uns schon früh geraten, dass wir die Leute mitnehmen und sie auf die neue Website vorbereiten. Wir wussten also, dass das eine entscheidende Sache ist. Und trotzdem fiel die interne Kommunikation gegen Ende hin manchmal hinten rüber, weil es kurz vorm Launch so viel zu tun gab. Da sollte man als Unternehmen auf jeden Fall genug Raum und Zeit einplanen, damit die eigenen Mitarbeitenden nicht außen vor bleiben.

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Das Sozialwerk St. Georg e. V. ist ein soziales Dienstleistungsunternehmen mit rund 100 Standorten in Nordrhein-Westfalen. Es richtet sich an Menschen mit Assistenzbedarf, denen ein selbstbestimmtes Leben nach ihren Wünschen und Bedürfnissen ermöglicht werden soll. Zu den Klient:innen gehören Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen, mit Suchtproblemen, Autismus und/oder sozialen Schwierigkeiten. Insgesamt unterstützen die rund 2.500 Mitarbeitenden des Sozialwerks etwa 4.400 Menschen.



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