Drei Kolleg:innen aus dem GfG-Ausstellungsteam, die die neue Sonderausstellung im Deutschen Bergbau-Museum Bochum maßgeblich mitgestaltet haben (v. l. n. r.): Carsten Dempewolf, Nadine Ahlers und Marthe Trottnow. © P L ZZ O photography

16. Juni 2022

Ausstellungseröffnung im Deutschen Bergbau-Museum Bochum

Die neue Sonderausstellung „Gras drüber ... Bergbau und Umwelt im deutsch-deutschen Vergleich“ im Deutschen Bergbau-Museum Bochum ist in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Vergangene Woche wurde sie der Öffentlichkeit präsentiert.



Mit gleich drei Veranstaltungen feierte das Deutsche Bergbau-Museum Bochum die Eröffnung der Sonderausstellung „Gras drüber ... Bergbau und Umwelt im deutsch-deutschen Vergleich“.

Das Pressegespräch: Perspektiven der Kuration und der Gestaltung

Den Auftakt bildete ein Gespräch mit Medienvertreter:innen. Von Dr. Michael Farrenkopf, dem Leiter des Montanhistorischen Dokumentationszentrums am Museum, erfuhren diese, dass das Thema Umweltpolitik und Rekultivierung erstmalig im Zentrum einer Ausstellung am Deutschen Bergbaumuseum stehe ebenso wie die gewählte deutsch-deutsche Perspektive: „Die neue Sonderausstellung beleuchtet den Steinkohlenbergbau in der BRD sowie in der DDR den Lausitzer Braunkohlentagebau und die Gewinnung von Uranerz in den Wismut-Gebieten. Aus einer historischen Perspektive kommend will sie zu einem reflektierten Umgang mit Umweltfragen in Gegenwart und Zukunft beitragen.“

Dass die Ausstellung das Resultat eines großen Forschungsprojekts zu Umweltpolitik, Bergbau und Rekultivierung ist, war ebenfalls Thema. „Mit ‚Gras drüber …‘ wollen wir unsere Forschungsergebnisse mit den Besuchenden teilen. Diese Sonderausstellung zeigt damit auch die Aufgabe eines Leibniz-Forschungsmuseums: Wir übersetzen Forschung mit Exponaten in Bilder und unmittelbares Erleben“, so Michael Farrenkopf.

Dr. Michael Farrenkopf, Leiter des Montanhistorischen Dokumentationszentrums am Deutschen Bergbau-Museum Bochum (links), und Carsten Dempewolf, Geschäftsführer und Leiter des Ausstellungsteams der GfG. Foto: P L ZZ O photography

„Es gibt bei den Themen Bergbau und Umwelt nie nur eine Perspektive“

Details zur Gestaltung der Ausstellung bekamen die Gäste des Pressegesprächs von unserem Geschäftsführer Carsten Dempewolf. Sein Team hatte den Wettbewerb für die Umsetzung gewonnen und in den vergangenen Monaten im Sonderausstellungsgebäude des Museums auf rund 700 qm die Ausstellung inszeniert.

Die Szenografie sei durch den Ausstellungstitel „Gras drüber“ motiviert: „Das ist ein inspirierender Titel, der uns direkt neugierig gemacht hat und uns schnell zu unserer Leitidee geführt hat: Wir schauen unter die Grasnarbe beziehungsweise hinter die Kulissen.“ Daraus sei der Kulissenbau als übergeordnetes Leitmotiv der Gestaltung entstanden. Die in der Ausstellung verwendeten Kulissenbau-Elemente stünden sowohl für ein Bild, hinter das es sich zu schauen lohnt, als auch für den „unfertigen“ Erkenntnis- und Entwicklungsprozess der Rekultivierung. „Wir möchten den Besuchenden mit der Szenografie und den Vermittlungsebenen Impulse bieten. Es gibt bei den Themen Bergbau und Umwelt nie nur eine Perspektive. Wir möchten dazu einladen, im wahrsten Sinne an der Oberfläche zu graben, um eine eigene Meinung zu entwickeln.“

Wie genau das aussieht, davon konnten sich die Gäste im Anschluss bei einem geführten Rundgang durch die Ausstellung einen persönlichen Eindruck verschaffen.

Fotos: P L ZZ O photography

Die Vernissage: Podiumsgespräch über Museen im Wandel

Eine spannende Konstellation bot sich beim Podiumsgespräch, das im Rahmen der Vernissage mit geladenen Gästen stattfand. Neben Carsten Dempewolf und Michael Farrenkopf war auch Prof. Dr. Stephan Schwan, stellvertretender Direktor des Leibniz-Instituts für Wissensmedien und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Museums auf dem Podium. Er leitet eine Forschungsgruppe zu digitaler Wissensvermittlung.

Im Podiumsgespräch über „Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft: Wie Forschungsmuseen gesellschaftliche Debatten bereichern können“ diskutierten die drei darüber, welche Aufgaben moderne Museen haben und warum man in unserer digital geprägten Welt überhaupt noch museale Orte mit authentischen Exponaten braucht.

Auf dem Podium diskutierten Carsten Dempewolf (2. v. r.) und Michael Farrenkopf (2. v. l.) mit Prof. Dr. Stephan Schwan (r.) über die Rolle moderner (Forschungs-)Museen. Foto: P L ZZ O photography

Aus Sicht von Michael Farrenkopf müssen sich Museen stärker nach außen öffnen, wenn sie relevant bleiben wollen. Es brauche die Bezugnahme auf gesellschaftliche Debatten und Themen, weswegen die Ausstellung „Gras drüber …“ gezielt die Auseinandersetzung mit aktuellen Umweltfragen fördere. „Damit liegt sie ganz im Zeitgeist moderner Museen, deren Selbstverständnis sich aktuell verändert – weg von Vergangenheitsorientierung und hin zu mehr Gegenwartsbezug“, bestätigte Stephan Schwan. Ausstellungen sollten zudem das Potential digitaler Formate für die Wissensvermittlung stärker ausschöpfen, wobei das Authentische ein Alleinstellungsmerkmal musealer Orte bleibe. Digitale Medien und authentische Exponate klug miteinander zu kombinieren, sei eine der wichtigsten Herausforderungen moderner Museen.

„Wir wollen Berührungsängste abbauen“

Für Carsten Dempewolf brauchen Museen heute auch eine neue Haltung den Besuchenden gegenüber. Eine Ausstellung solle nicht in erster Linie ein Ort zum Betrachten und Staunen sein, sondern nahbar und aktivierend: „Ein Raum, durch den sich die Besuchenden entspannt bewegen können und in dem sie sich dazu eingeladen fühlen, Dinge auch zu berühren und auszuprobieren.“ Das Gestaltungskonzept von „Gras drüber“ beruhe daher auch auf dem Anspruch, Berührungsängste bei den Besuchenden abzubauen und einen Wohlfühlort für sie zu schaffen.

Fotos: P L ZZ O photography

Im Anschluss an das Podiumsgespräch durften die Gäste in kleinen Gruppen die Ausstellung erkunden. „Dafür hat sich das Deutsche Bergbau-Museum ein gelungenes Format überlegt“, berichtet unsere Kollegin Nadine Ahlers. Es gab verschiedene Themenstationen die von den jeweiligen Themenspezialist:innen aus dem Kurationsteam begleitet wurden. Sie verrieten den Gästen viele wissenswerte und originelle Details. „Durch die wechselnden Erzähler:innen und die intensiven Einblicke war das Ganze sehr kurzweilig.“

Die Teamfeier: Würdigung einer tollen Zusammenarbeit

Vor der Öffnung der Ausstellung für Besucher:innen kamen alle Projektbeteiligten nochmal zu einer internen Eröffnungsfeier zusammen. „Uns hat die Zusammenarbeit großen Spaß gemacht“, bedankte sich GfG-Konzeptionerin Marthe Trottnow bei allen Anwesenden. Die Qualität der Teamarbeit mit dem Deutschen Bergbau-Museum sei eine besondere, betonte sie und witzelte: „Das hat alles so toll geklappt, dass das Museum bei uns in der Streberkartei einsortiert ist.“

An der Planung und Umsetzung der Ausstellung mit ihren sage und schreibe 800 Objekten haben neben dem Museum und der GfG noch externe Medientechniker:innen, Kulissen- und Exponatbauer:innen und Illustrator:innen mitgewirkt, von denen viele der Einladung gefolgt waren. Alle genossen es, dass sie auf der Feier nochmal in lockerer Atmosphäre miteinander sprechen, Anekdoten aus dem Projekt austauschen und die vergangenen Monate zusammen Revue passieren lassen konnten. Und natürlich wurde sich auch ein wenig gegenseitig auf die Schulter geklopft und gemeinsam zelebriert, was da Hand in Hand geschaffen wurde.

Die Ausstellung „Gras drüber … Bergbau und Umwelt im deutsch-deutschen Vergleich“ ist bis zum 15. Januar 2023 im Deutschen Bergbau-Museum Bochum zu sehen.

Ausführliche Infos zur Ausstellung gibt es unter:
https://www.bergbaumuseum.de/news-detailseite/gras-drueber-sonderausstellung-zu-umweltpolitik-und-rekultivierung



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