11. März 2020

Siena Jakobi / Über Corporate Design

Ein gelungenes Corporate Design zielt nicht nur aufs Hirn, sondern auch aufs Herz, findet unsere Corporate-Design-Expertin Siena Jakobi. Im Interview verrät sie ihre Zutaten für ein Erscheinungsbild, das nachhaltig wirkt.



Siena, immer mehr Unternehmen investieren in ihr Corporate Design – ist es nicht sehr oberflächlich, dem Erscheinungsbild eine so große Bedeutung beizumessen?

Siena: Der Mensch ist ein „Augentier“ – unser Sehsinn ist für unsere Wahrnehmung der wichtigste Sinn. Entsprechend zielt ein lebendig gemachtes Corporate Design direkt ins Hirn – und wenn es anregend gestaltet ist, auch in unsere Herzen. 

Wie gehst du vor, wenn du für Kunden ein Corporate Design entwickelst?

Siena: Ich bin überzeugt davon, dass sich ein solcher Prozess nur im Dialog und gemeinsam mit unseren Auftraggebern entwickeln kann. Dabei ist es unsere Aufgabe, von Anfang an gute Zuhörer zu sein und genau hinzusehen, damit wir die Stärken, Werte und Ziele unserer Auftraggeber erkennen und sichtbar machen können. Wir sind offen, neugierig und vor allem mutig – gehen aber auch verantwortungsvoll mit Ressourcen um. 

Wie lässt sich messen, ob das am Ende auch erfolgreich ist?

Siena: Wenn wir sehen, dass ein Unternehmen sein Erscheinungsbild mit Leidenschaft trägt, dann funktioniert Gestaltung nicht nur, sondern begeistert. Und das spürt dann auch der Markt.

Was macht für dich ein gelungenes Corporate Design aus?

Siena: Einfachheit, Flexibilität und Nachhaltigkeit, vor allem aber … eine gute Idee. 

Könntest du das an einem Beispiel veranschaulichen?

Siena: Für das Deutsche Schifffahrtsmuseum etwa, das vor der Herausforderung stand, sich gleichzeitig als historisches Museum, als Erlebnisort und als Forschungsmuseum zu positionieren, hatten wir die simple, aber wirkungsvolle Idee, einen horizontalen Balken als Kernelement zu verwenden. Dieser Balken schafft eine Verbindung zwischen Forschung und Vermittlung, zwischen Mensch und Meer. Zusätzlich haben wir ein Farbkonzept „1000 Farben Blau“ entwickelt, damit wir das Meer und das Museum in ihrer ganzen Vielfalt darstellen können. Das Konzept wurde 2019 für den Corporate Design Preis nominiert.

Für einen ganzheitlichen Markenauftritt ist auch die Raumgestaltung von Bedeutung. Wie lässt sich ein Corporate Design in Räume übertragen?

Siena: Man dachte ja lange Zeit, dass es reicht, die Wände in der Hausfarbe zu streichen und das Logo aufzuhängen. Wir hingegen sehen und gestalten den Raum als Bühne für das Unternehmen, auf der die Marke in all ihren Dimensionen erlebbar und spürbar wird. Dafür entwickeln wir das Corporate Design speziell weiter. Das geht übrigens auch, wenn wir das Corporate Design ursprünglich gar nicht selbst gestaltet haben. So haben wir für Werder Bremen auf Grundlage des schon bestehenden Corporate Designs einen Gestaltungsbaukasten für die Innenarchitektur entwickelt. Dieser Baukasten enthält nicht nur eigens für die Werder-Räume geschaffene grafische Elemente wie Formen, Linien und Illustrationen, sondern auch Raummaterialien und Stoffe. Zum Beispiel verwenden wir als Holz die Seekiefer, wie man es von Übersee-Transportkisten kennt. Ein sehr hanseatisches Material also, das aber gleichzeitig auch das Familiäre und die Nähe, für die Werder steht, spürbar macht.

Viele Unternehmen unterliegen heute einem stetigen Wandel – ist das Corporate Design dann nicht schnell überholt?

Siena: Unsere Aufgabe als strategisch beratende Designer ist es, dass ein Corporate Design nicht als starres und kompliziertes Regelwerk wahrgenommen wird. Wir entwickeln smarte, modulhafte Designsysteme, die erweiterbar und anpassbar sind, auch für zukünftige Anwendungen. So unterstützen wir unsere Kunden bei der Gestaltung einer unverwechselbaren Marke, die nachhaltig wirkt.

Siena Jakobi arbeitet seit 2000 als Designerin für die GfG. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören Konzeption, Grafikdesign, Corporate Design und Corporate Publishing.



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