07. Juli 2020

Räume erzählen Geschichte: Neue Dauerausstellung in den Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht

Mit Spannung erwartet: Heute eröffnet die neue Dauerausstellung in der Gedenkstätte Gestapokeller im Osnabrücker Schloss und in der Gedenkstätte Augustaschacht auf dem ehemaligen Gelände des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck bei Hasbergen. Zwei Jahre lang hat ein Team der GfG und der Agentur oblik identity design an der Gestaltung dieser beiden wichtigen Erinnerungs- und Lernorte gearbeitet.



Zwei Tatorte des Nationalsozialismus

Zwischen den Gedenkstätten liegen zwar fast zehn Kilometer, aber durch ihre Geschichte sind sie eng miteinander verbunden – beide markieren Tatorte, an denen die Gestapo im Nationalsozialismus Menschen überwachte, verfolgte und terrorisierte. Der Keller im Westflügel des Osnabrücker Schlosses diente als Gefängnis und Verhörraum; von dort aus überwies die Gestapo viele Gefangene in das sogenannte Arbeitserziehungslager im Augustaschacht – einem ehemaligen Pumpengebäude des Stahlwerks Georgsmarienhütte. In diesem Lager wurden männliche Gefangene – Zwangsarbeiter aus ganz Europa, politisch Andersdenkende und Angehörige religiöser Minderheiten – brutal bestraft und ausgebeutet.

Die Orte mit all ihren Zeitschichten betrachten

Die neue Dauerausstellung stellt das Handeln der Gestapo im Regierungsbezirk Osnabrück und ihre Verbrechen an Zwangsarbeitern in den letzten beiden Kriegsjahren in den Mittelpunkt. Besucher*innen erfahren aber auch, welche Funktion die Orte in der Zeit davor bzw. danach hatten. „Im Sinne eines zeitgemäßen Verständnisses historischer Auseinandersetzung betrachten wir die Orte mit all ihren Zeitschichten“, erzählt Ulrike Rosemeier, Leiterin des GfG-Teams. Nur so könne man die Orte, wie man sie heute erlebt, auch verstehen.

Die wichtigsten Exponate sind die Räume selbst

Damit die Atmosphäre der Orte bewahrt bleibt, stellt die Ausstellung die Räume in den Vordergrund, macht sie selbst zu den wichtigsten Exponaten. „Die Herausforderung lag vor allem darin, die beiden historischen Orte mit Zeitzeugenberichten und Bild- und Textdokumenten so behutsam zu verbinden, dass die Räume anfangen, Geschichte zu erzählen“, erklärt Ulrike Rosemeier. Dafür „distanziert“ sich die Ausstellung: Alle Elemente sind konsequent in der Raummitte angeordnet, halten Abstand zu den Wänden, verstellen den Blick nicht. Die Gestaltung lenkt den Blick immer wieder auf den historischen Ort.

Gedenkstätte Augustaschacht
Gedenkstätte Gestapokeller

Mit der neuen Ausstellung zieht eine zeitgemäße Museumspädagogik ein

Die Vermittlung der Informationen folgt ebenfalls modernen museumspädagogischen Konzepten. So können Besucher*innen der Gedenkstätte Augustaschacht die Räume und das Gelände selbständig mit einem Tablet erkunden und darüber die verschiedenen Zeitschichten der Räume wahrnehmen. 180-Grad-Fotos verknüpft mit Raumskizzen machen die lagerzeitlichen Baustruktur sichtbar. Vertiefende Informationen wie Biografien und Audioberichte können per Knopfdruck eingeblendet werden. Auch viele Ausstellungsmodule sind mit modernen Vermittlungstools wie Touchscreens, Audiodokumenten und Projektionen ausgestattet.

Mit der neuen Dauerausstellung werden künftig noch mehr Besucher*innen erwartet. Bisher besuchten jedes Jahr im Schnitt 7.000 Menschen die beiden Gedenkstätten und ihre zahlreichen Veranstaltungen. Viele Angebote speziell für Schüler*innen und Jugendliche wie Workcamps und Zeitzeugenprojekte machen die historischen Zusammenhänge und die Erinnerungskultur für die junge Generation zugänglich. Insbesondere für diese so wichtige politische Bildungsarbeit bieten sich mit der Ausstellung viele neue Perspektiven.

Mehr Infos unter: www.gedenkstaetten-augustaschacht-osnabrueck.de



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