Prämiert: Gestaltung, die Teilhabe möglich macht

26. November 2025

Gold für die Wissenswerkstadt Bielefeld! Die Auszeichnung mit dem Focus Open Award würdigt nicht nur herausragendes Design, sondern einen Ort, der für kooperative Gestaltung und gelebte Teilhabe steht. Im Interview für das Focus Open Award Jahrbuch geben unsere Kolleginnen Ulrike und Dorthe – gemeinsam mit Gesa Fischer von der Wissenswerkstadt – Einblicke in die Idee hinter der Gestaltung.

Gemeinsam experimentieren, rumtüfteln, debattieren, verstehen und lernen: Die Wissenswerkstadt Bielefeld ist ein Treffpunkt für Wissenschaft und Öffentlichkeit, der deutschlandweit einzigartig ist. Ein Ort in der zentral gelegenen und denkmalgeschützten Stadtbibliothek, der Wissenschaftsvermittlung neu denkt – auf rund 2.800 Quadratmetern Fläche und drei Ebenen mit Ausstellungen, Workshops, Diskussionsformaten, Veranstaltungen, Mitmach-Angeboten und kreativen Impulsen.

Die Gestaltung der Wissenswerkstadt ist so kleinteilig wie komplex. An welchem Punkt sind Sie gestartet?

Ulrike Rosemeier: Die Betreiberin, die Bielefeld Marketing, hat in den leerstehenden Räumen vorab mehrere Pop-up-Veranstaltungen organisiert, um das Konzept der Wissenswerkstadt zu testen. Der große Zuspruch hat Fördermittelgeber und Investor überzeugt – sowohl vom Standort als auch vom Format. Durch unsere frühe Einbindung als Fachplanende im Rahmen eines Wettbewerbs konnten wir zeitgleich mit dem Hochbau starten. Wir haben dann mit unseren Experten und Expertinnen aus den Bereichen Architektur, Grafikdesign und Webdesign das Raumkonzept und Erscheinungsbild der Wissenswerkstadt entwickelt.

Gestaltung auf allen Ebenen: Aus dem Team GfG verantwortete Dorthe Meinhardt (links) das Corporate Design und Ulrike Rosemeier die Innenarchitektur der Wissenswerkstadt.

Konnten Sie in der Ideenphase die späteren Nutzenden einbeziehen?

Ulrike Rosemeier: Die Erfahrungen aus dem Testlauf waren sehr wertvoll und flossen in die Planung ein. Außerdem haben wir uns von vergleichbaren Projekten, etwa in Groningen, inspirieren lassen. Zahlreiche Nutzungsszenarien wurden überlegt und kleinteilig durchgespielt, damit alle Menschen ohne Berührungsängste und Hindernisse unterwegs sein können.

Gesa Fischer: So wie das gesamte Konzept der Wissenswerkstadt haben wir auch alles, was Gestaltungsfragen betraf, immer von der Nutzung her gedacht.

Von der Idee bis zum fertigen Ort: Gesa Fischer, Co-Leitung der Wissenswerkstadt Bielefeld, arbeitete im gesamten Gestaltungsprozesses eng mit dem GfG-Team zusammen.

Das Design soll ja einerseits animieren und inspirieren, andererseits nicht verunsichern. Wie geht das?

Dorthe Meinhardt: Die Wissenswerkstadt verbindet Wissenschaftskommunikation, Partizipation und soziale Innovation. Sie bringt Bürgerinnen und Bürger, Forschende und Akteure aus Wirtschaft, Kultur und Stadt zusammen, um gemeinsam an gesellschaftlich relevanten Fragen zu arbeiten. Dadurch wird sie zu einem flexiblen Think Tank und einer Impulsgeberin für die gesamte Region. Diesen Anspruch spiegelt sie auch visuell wider: Farbe und Diversität setzen bewusste Kontraste zur Architektur der 1950er Jahre und machen den Ort einladend und erlebbar. Vom Logo über die Formsprache und Farbpalette bis zur Möblierung steht das Ausprobieren und Spielen im Mittelpunkt – ein Ort, der nichts vorgibt, sondern Raum bietet, Neues zu schaffen.

Focus Open Award

Focus Open, der internationale Designpreis Baden-Württemberg, zeichnet innovative Designlösungen aus. 

Die Jury begründet den Preis für die Wissenswerkstatt wie folgt: „Das Gebäude hat eine erstaunliche Verwandlung hinter sich, aus einem eher verschlossenen Haus wird ein offener, bürgernaher, die Neugierde und Inspiration fördernder Ort. Eine beispielhafte Transformation, die eine stimmige visuelle Unterstützung durch das sehr gelungene Gestaltungskonzept erhält.“

Braucht es mehr solcher Orte hier zu Lande?

Gesa Fischer: Ein riesengroßes Ja! Dialog, Debatten, Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft – das alles ist so wichtig in unserer Zeit. Unser erstes Betriebsjahr mit 160.000 Besuchen – viermal so viele wie kalkuliert – hat gezeigt, wie groß der Bedarf eines Hauses wie die Wissenswerkstadt ist. Wir sind übrigens immer offen für kollegialen Austausch, werden viel angesprochen und beraten gerne. Wir können nur voneinander lernen.


Über diesen Text:

Das Interview erschien zuerst im Focus Open Award Jahrbuch 2025. Wir haben den Text mit freundlicher Genehmigung übernommen.