
KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Erschließung des historischen Stollens
Er ist eines der wichtigsten Zeugnisse für die mörderische Zwangsarbeit, die KZ-Häftlinge für die NS-Rüstungswirtschaft leisten mussten: der Stollen in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Gemeinsam mit oblik identity design haben wir die didaktische Erschließung neugestaltet.
Projektdaten:
Auftraggeberin: KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Größe: Etwa 1,8km begehbare Stollenanlage
Zeitraum: 2022 bis 2024
Leistungen: Innenarchitektur nach HOAS (LP 1-8), didaktische Erschließung des historischen Stollens
Der Ort: die „Hölle von Dora“
Die historische Stollenanlage wurde ursprünglich als Tanklager gebaut und ab Herbst 1943 von KZ-Häftlingen für die Montage von V2-Raketen ausgebaut. Monatelang waren die Zwangsarbeitenden auch zum Schlafen im Stollen untergebracht, eng gedrängt auf notdürftig eingebauten vierstöckigen Holzpritschen.
Schon in den ersten Monaten starben mehrere Tausend Häftlinge. Man geht davon aus, dass sich im Stollen noch sterbliche Überreste befinden. Die mörderischen Lebens- und Arbeitsbedingungen prägten den Begriff von der „Hölle von Dora“.


Ab August 1944 wurde die Flugbombe V1 im Stollen produziert. Auch hierfür mussten KZ-Häftlinge, inzwischen in einem oberirdischen Barackenlager untergebracht, Zwangsarbeit leisten.
Nach der Sprengung der Eingänge durch die sowjetischen Militärbehörden 1947/48 war der Stollen mehrere Jahrzehnte verschlossen. Seit 1995 kann er durch einen neu angelegten Tunnel im Rahmen von Führungen besucht werden. 1999 wurde als Unterstützung für die Führungen eine Ausstellung installiert.

Die Aufgabe: Bildung gestalterisch unterstützen
Nach gut zwanzig Jahren war die alte Ausstellung überholt – sowohl mit Blick auf den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand als auch auf die didaktische Vermittlung.
Unsere Aufgabe: Die Führungen durch den Stollen mit einer „zurückhaltenden didaktischen Erschließung“ der Stollenanlage unterstützen.
Skizzen aus unserem Entwurf:



Der Gestaltungsansatz: Der Stollen selbst als Exponat
Unser Ansatz für die Neugestaltung sieht im Kern so aus:
- Wir fügen nichts hinzu – der Stollen selbst ist das Exponat
- Wir setzen an zentralen Stellen Schlaglichter
- Wir machen Relikte lesbar
- Wir entmystifizieren den Ort
Gezielt gesetzte visuelle Anker und eine klare Gestaltungssprache dienen der Orientierung und historischen Einordnung – und sie wirken einer möglichen Faszination für die vermeintliche „Wunderwaffe“ V2 entgegen. Dabei hilft auch ein neues Beleuchtungskonzept.








Besondere Herausforderung: das Klima untertage
90 Prozent (!) Luftfeuchtigkeit: Das Klima im Stollen bedeutet eine Absage an viele Materialien, die wir normalerweise für Ausstellungen verwenden können.
Unsere Antwort auf die schwierigen klimatischen Bedingungen: ein Materialmix aus Lochblech, Sichtbeton und emailliertem Lavastein. Modern und vor allem langlebig und witterungsbeständig.



Sensibel gelöst: die Barrierefreiheit
Damit alle Menschen den Gedenkort besuchen können, hatten sich unsere Auftraggeber:innen eigentlich einen Hublift gewünscht, der die unterschiedlichen Höhen im Stollen überwindbar macht, sodass er etwa auch mit dem Rollstuhl überall befahrbar ist.
Wir konnten sie allerdings davon überzeugen, dass es dafür eine noch bessere Lösung gibt: eine Rampe.

Nicht nur, dass sich die Rampe gestalterisch viel besser in die Umgebung und Gestaltung einfügt. Sie ist auch noch besonders diskriminierungssensibel, da sie für alle Besucher:innen als Übergang zum Steg dient. Menschen, die aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität darauf angewiesen sind, geraten so nicht ungewollt in den Mittelpunkt.
Projektteam
Stefan Bargstedt (oblik identity design)
Konzeptmitentwicklung und Grafik
Leistungsphasen 1-3
Thema: Denkorte
Denkorte vermitteln zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Wir gestalten diese Orte – nehmen ihre Erzählfäden auf, bringen sie zum Sprechen und machen sie erlebbar.
Weitere Denkorte, die wir gestaltet haben, findet ihr hier in unserem Magazin: