Denkort Bunker Valentin

Bunker Valentin

Ein Denkort für Bremen

  • Ausstellungen und Szenografie
  • Grafik im Raum
  • Leit- & Orientierungssysteme

Nach fast drei Jahren Planungs- und Realisierungszeit wurde der Bunker »Valentin« Ende 2015 als Dokumentations- und Erinnerungsstätte eröffnet und für alle Interessierten frei zugänglich gemacht. Ein Rundweg mit 25 Stationen führt die Besucher um und durch die Ruine der von Zwangsarbeitern erbauten U-Boot-Werft.

Der Bunker »Valentin«, auch U-Boot-Bunker Farge genannt, wurde durch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg von 1943 bis 1945 unter Einsatz von tausenden Zwangsarbeitern aus ganz Europa errichtet, von denen etwa 1.600 unter unmenschlichen Bedingungen starben. Dieses größte Rüstungsprojekt der Kriegsmarine wurde kurz vor der Fertigstellung bombardiert und nie in Betrieb genommen.

Der neu entstandene Rundweg markiert einzelne geschichtliche Spuren der Großbaustelle und Leidenswege der Zwangsarbeiter anhand von Fotos und Berichten von Zeitzeugen. Ein Multimediaguide ergänzt den Rundweg. Im Informationszentrum befinden sich ein Medientisch und eine Ausstellung mit vertiefenden Informationen zur Geschichte des Ortes.

»Farge war ein Europa im Kleinen. Es gab sicher keine der zahlreichen Nationen dieses Erdteils, die dort nicht vertreten gewesen wäre.«  
Wilhelm Nolting-Hauff

Pädagogisches und gestalterisches Konzept

Das pädagogische Konzept der Ausstellungsmacher der Landeszentrale für politische Bildung Bremen legt den Schwerpunkt auf eine aktive Auseinandersetzung mit den Geschichten, die am Bunker erzählt werden. Es soll den Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, eigene Fragen und Antworten in der Annäherung an den Ort und die Thematik zu formulieren. An jeder Station werden dem heutigen Ort, als Ausgang für die Auseinandersetzung, historische Fotos an gleicher Stelle gegenübergestellt. Das gestalterische Konzept basiert auf dem Gedanken, der vom Bunker ausgehenden Faszination (Größe, Aura) eine klare Linie entgegenzusetzen und ihn als Objekt einer Ausstellung zu musealisieren. Es soll nicht um den Bunker als Bauwerk, sondern um die mit ihm verbundene Geschichte gehen. Um diese Trennung zu verdeutlichen, wurde durch gezielte Form-, Material- und Farbwahl der Rundwegelemente ein deutlicher Kontrast zum Bunker erzeugt.

Die Formensprache der Elemente leitet sich von der Bildmarke des Bunkers »Valentin« ab. Auf rechte Winkel wird weitestgehend verzichtet – die nicht orthogonalen Formen stehen im Gegensatz zum kastenförmigen Bunker. Die Wegetafeln sind aus dunkelgrauem, sehr feinem Beton gefertigt. Der Weg ist dieser Farbigkeit angepasst. Die Informationstafeln aus Vollkernplatten sind lackiert und direkt bedruckt. Diese Materialien heben sich vom verwitterten Beton des Bunkers ab. Ein Blaugrün und Anthrazit sind die zwei Farben der Wahl. Das leuchtende Blaugrün der Informationsebene hebt sich klar von der Umgebung ab. Hinweise zur Orientierung im Gelände sind in Weiß auf Anthrazit gesetzt. Eine Station besteht, mit Ausnahmen, aus einer Stele zur Verortung, einem Erläuterungstext in deutscher und englischer Sprache, einem »Spur-Foto« des jeweiligen Ortes sowie ergänzenden Fotos und Zitaten.

Informationszentrum: Medientisch und Ausstellung

Neben dem Rundweg wurde auch das Informationszentrum des Bunkers neu gestaltet. Ein interaktiver Medientisch und eine Ausstellung geben weitere umfangreiche Einblicke. Als zentrales Exponat setzt der Medientisch Bunkerbaustelle und Rüstungslandschaft in einen größeren Zusammenhang. In knapp 30 Minuten zeigt er die geografische und politische Entwicklung von Beginn der 1930er-Jahre bis heute. Die Ausstellung befindet sich in der ehemaligen Kfz-Werkstatt der Bundeswehr. Die Besucherinnen und Besucher werden hier durch sieben Kapitel geführt – Ausgangspunkt ist jeweils ein historisches Objekt: So markiert ein Zaunpfahl des Konzentrationslagers die Einleitung des Themenkomplexes der verschiedenen Lager in der Nähe der Baustelle, die Schreibmaschine eines Überlebenden führt zum Kapitel »Weiterleben«.

Inhaltlicher Mittelpunkt des Ausstellungsraumes ist eine Projektion mit Namen und Fotos der bisher bekannten Menschen, die am Bunker »Valentin« zur Arbeit gezwungen wurden und zum Teil auch hier ihr Leben ließen.

Projektpartner

In enger Kooperation begleiteten wir gemeinsam mit der Bremer Designagentur oblik das Projekt – von der Konzeption über die Umsetzung bis hin zur Eröffnung im November 2015. Schwerpunkt der Arbeit beider Büros war die Gestaltung des Rundgangs im Außen- und Innenraum, der Ausstellung und des Foyers samt Medientisch. Die Kuration der Inhalte lag bei Dr. Marcus Meyer und Dr. Christel Trouvé von der Landeszentrale für politische Bildung, die gleichzeitig auch der Auftraggeber des Projektes war. Für die Landschafts- und Wegeplanung zeichnete sich das Büro protze+theiling verantwortlich. Den Umbau der ehemaligen Kfz-Werkstatt zum Informationszentrum betreute das Büro Heinzelmann Architekten. Jens Oertel Design hat gemeinsam mit oblik die Inhalte und grafische Darstellung des Medientisches aufbereitet.