
Sportlich gegen Leukämie
Am Ende lautete das Spielergebnis versöhnlich 29 zu 29, und das passte irgendwie auch zum Drumherum dieses Spieltags, wo es nicht nur um das sportlich-faire Miteinander-Wettkämpfen ging, sondern auch um das Füreinander-Dasein.
Am 16. November trafen die B-Junioren des HC Bremen im Heimspiel an der Ronzelenstraße auf den TSV GWD Minden. Es war der 6. Spieltag in der Jugendbundesliga, genau genommen ein Doppelspieltag zusammen mit der männlichen A-Jugend. Und er war auch insofern besonders, weil es hier nicht nur um die wichtige Punkteverteilung ging, sondern auch um die Vereinskooperation des HC Bremen mit der DKMS (Deutsche Knochenmark Spende).






Für den guten Zweck – gleich doppelt
Das Ganze ging zurück auf eine Anfrage vom Verein an uns bei der GfG, ob wir nicht Trikotsponsor für die B-Junioren werden wollen. Da blitzten spontan so einige Jugenderinnerungen auf: an Spieltage, Trainings und Turniere, an diesen besonderen Geruch in der Umkleidekabine, an hart erkämpfte Siege und bittere (selbstverständlich unverdiente!) Niederlagen – und an all die Menschen, die als Betreuer:innen oder Mitspieler:innen wichtige Bezugspersonen in unserer Jugend für uns waren. Natürlich haben wir zugesagt.
Gleichzeitig tauchte die Frage auf: Ist das nicht eine gute Gelegenheit für eine Win-Win-Win-Situation mit einer Institution, die Öffentlichkeitsunterstützung gebrauchen kann? Wir haben also die Sponsorenfläche auf der Spielerbrust freigemacht für eine andere Marke: die DKMS. Die Leute beim HC Bremen fanden's prima und haben den Ball proaktiv aufgegriffen.
So kam es zur viel beachteten Registrierungsaktion am Spieltag: am Stand der DKMS ließen sich über 50 potentielle Knochenmarkspender:innen erfassen, darunter vorbildlich auch einige der Spieler vom HC Bremen. Janet Mulappancharil von der DKMS Donor Center gGmbH freute sich über die vielen jungen Menschen im Alter von 17 und 18 Jahren, die sich registrieren ließen – eine Spendergruppe, die besonders gesucht wird.
„Nach der tollen Registrierungsaktion am 16. November im Sportzentrum Ronzelenstraße geht es weiter: Alle, die zwischen 17 und 55 Jahren alt und gesund sind, können sich über folgende Seite bei der DKMS registrieren und ein Registrierungsset nach Hause bestellen: www.dkms.de/registrieren“, erklärt Janet Mulappancharil.






Blick über den Tellerrand
Der Kontakt mit den Menschen beim HC Bremen und bei der DKMS hat auch bei uns etwas ausgelöst – einen Gedanken, den wir gerne teilen möchten. Es geht um unsere Stadt und unsere Gesellschaft.
Wenn wir von Standortqualitäten – zum Beispiel einer Stadt wie Bremen – reden, dann reden wir auch über die lebendige Vernetzung von gesellschaftlichen Bereichen. Naheliegendes Beispiel: Jugendsport und Wirtschaft. Man könnte meinen, die beiden hätten sich nicht unbedingt viel zu sagen. Denn während Unternehmen an Kooperationen mit öffentlichkeitsstarken Partner:innen interessiert sind, verfügt der lokale Sport über eine eher geringe Öffentlichkeitswirkung.
Support your local sports club!
Aber geht es nur um einen unmittelbaren, messbaren Return on Invest? Wenn man nur einmal näher hinschaut, dann haben die meisten von uns, die wir im Berufsleben stehen, die eine oder andere Vergangenheit im Vereinssport. Und im Grunde wissen wir sehr genau, wie wichtig die helfende Hand von Unternehmen ist, wenn es um die Ermöglichung von Teilhabe im Sportangebot für Kinder und Jugendliche geht. Denn hier kann sich nicht jedes Kind das volle Equipment leisten, können nicht alle Eltern die kompletten Kosten für Mitgliedschaft und Veranstaltungen und Ausstattung tragen.
Und wir wissen doch: Eine lebendige Vereinslandschaft ist ein wichtiger Faktor für eine attraktive Stadtgesellschaft. Bei der Entscheidung für einen Arbeits- und Lebensort schauen Fachkräfte auch auf diesen Aspekt von Stadtkultur. Vielfalt in der Breite und Exzellenz in der Leistung Einzelner sind hier die Kriterien – neben der Ersten Liga gehört also auch eine gut ausgebaute Vereinsstruktur auf lokaler und regionaler Ebene dazu.
Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist auch an uns Unternehmen, mit gezielten Engagements beim Verein um die Ecke das Sportangebot zu ermöglichen, welches unsere Kinder nutzen und wertschätzen. So wie wir es früher als ganz selbstverständlich genommen und geliebt haben, als wir selber noch jung, agil und voll sportlicher Selbstüberschätzung waren.

Mens sana in corpore sano
Aus gegebenem Anlass haben wir bei uns im Team mal rumgefragt, wer von uns früher in welchem Verein welchen Sport gemacht hat. Hier ist ein kleiner Auszug, der alleine schon ein Schlaglicht auf den Schatz an Sportkultur in unserem Land wirft:
Florian:
„Berliner Sport Club (e.V. - nicht Hertha!) – Handball.“
Tanja:
„MT Melsungen – Geräteturnen und Leichtathletik.“
Christian S.:
„TV Ottersberg – Kanu, und TV Oyten – Volleyball.“
Ninja:
„TuS Sudweyhe – Fußball.“
Nils:
„SG Wiedau – Tischtennis / Bezirksklasse.“
Siena:
„TSG Hatten-Sandkrug – Ballett.“
Simone:
„SV Kirchweyhe – Rhönradturnen.“
Stefanie B.:
„LTV 1861, Lüdenscheid – Tennis.“
Björn:
„Beckedorfer Tennis Club – Tennis.“
Ulrike:
„SV Neptun Lübbecke – Leistungsschwimmen.“
Michael:
„VfL Bad Zwischenahn – Fußball, zwischendurch auch mal Tischtennis und Basketball.“
Maren:
„SSV Gristede – HipHop, und SGEG (Spielgemeinschaft Elmendorf-Gristede) – Fußball.“
Ole D.:
„TSV Uesen (Achim bei Uesen) – Fußball. Heute bin ich da Schriftwart.“
Heike:
„SGO (Sportgemeinschaft Oslebshausen) und TUS Walle – Handball & Tischtennis.“
Hanke:
„TSV St. Magnus – Handball, und LG Bremen-Nord – Leichtathletik.“
Katrin:
„Blumenthaler TV von 1862 e. V., kurz BTV – Basketball.“
Carsten K.:
Spvg Fürstenau – Fußball und Leichtathletik, und Werber (!) Bremen – Fußball (bis zum Meniskusriss)
Julia:
„TVdB (Turnverein der Bahnhofsvorstadt Bremen) – Volleyball.“
Anne:
„Club zur Vahr, Bremen – Hockey. Synchronschwimmen steht noch auf meine Bucket List ... aber da sehe ich mich noch nicht.“
Christian V.:
„Eiche Horn – Judo. Und irgendwann (erste Klasse oder so) habe ich auch mal bei Werder Fußball gespielt, aber nicht sehr lange. Oder gut.“
Alle Fotos vom Spieltag (oberer Bildblock) und von der DKMS-Aktion (zweiter Bildblock): © Louis Kunze
Sein Statement: „Die Stimmung war großartig, alle waren gut drauf und ich habe mich selbst mitreißen lassen. Noch vor Ort habe ich mich typisieren lassen und bin nun stolzer Teil der DKMS-Familie.“
Mannschaftsfoto unten: © MovieShooter
Personenfotos der GfG-Kolleg:innen: © GfG / Gruppe für Gestaltung
Ein besonderes Dankeschön geht an manymany motion für die logistische und technische Unterstützung. Auch dort – namentlich bei Simon Wenkelewsky – brennt offensichtlich noch das jugendliche Handballer-Herz.

Über den Autor
Stephan Kappen ist festes Mitglied der zeigen-Redaktion, liefert je nach Thema und Tagesform Ideen, Texte und Fotos – und zum Feierabend für die Kolleg:innen auch mal etwas Kühles aus dem Getränkereservoire. Morgens möchte er vor dem ersten Kaffee nicht angesprochen werden. Seine sportliche Karriere beschränkte sich auf weitgehend talentfreies Kicken in der Kreisliga C beim DJK Dyckburg, Münster. Für einen späteren Neustart bei den Senioren und dann in der Bremer Wilden Liga bei Werber Bremen reichte es dann allerdings. Damit ist dieses Kapitel immerhin versöhnlich beendet und klingt nun auf dem Bolzplatz mit seinem Sohn aus.