Nahaufnahme einer Glastür mit der Beschriftung „John & Will“ in stilvoller, geschwungener Schrift, die das Licht reflektiert.

John & Will: Orientierung auf Platt im Silohotel

05. Dezember 2024

Es liegt direkt an der Weser und inmitten eines der innovativsten Quartiere Bremens, der Überseeinsel: Das neue Silohotel „John & Will”. Es wurde quasi herausgefräst aus dem 11 Stockwerke hohen ehemaligen Getreidesilo von Kellogg´s. Rund 3.500 Kubikmeter Beton wichen den Fensteröffnungen, die nun neue Perspektiven auf Stadt und Strom freigeben. Unser Auftrag für das in vielerlei Hinsicht besondere Hotel: Die Signaletik – ein Orientierungssystem, das dem Ort wie auch der neuen Hotelfunktion gerecht werden sollte.

Eine Bar im industriellen Stil mit einer Wandbeschriftung „anmellen un drinken – barception“. Im Vordergrund stehen Flaschen und Gläser, während im Hintergrund eine Regalwand mit weiteren Spirituosen zu sehen ist.
Die Aufschrift "kamern eten afftritt" ist auf Sichtbeton geschrieben. Die Schrift ist modern und minimalistisch.
Eine minimalistische, auf Beton gemalte Piktogramm-Darstellung von einem Rollkoffer und einem Aktenkoffer, platziert auf einer grob strukturierten Betonwand.
Eine moderne Betonwand in einem Gebäude, mit einer Beschilderung, die "kamern eten afftritt" (rooms, restaurant, restroom) in schlichten schwarzen Buchstaben anzeigt. Im Vordergrund steht eine große grüne Pflanze, während im Hintergrund eine Person vorbeigeht.

Kreation zwischen den Gestaltungslinien

Bei der ersten Begehung schien der Fall für unsere Gestalterinnen Nadine und Siena einfach: „Die Industriearchitektur, der rohe Beton … hier haben wir viel Freiraum um die Signaletik zum Hingucker und prägenden Gestaltungselement werden zu lassen.“

Dann wurde die Sache doch etwas komplexer, denn es gab einige Vorgaben zu berücksichtigen. Zwei Corporate-Schriften waren zu verheiraten, sie kamen zum einen vom Ort Überseeinsel (Schrift Lato), zum anderen von der investierenden Hotelkette (Schrift ITC Bauhaus). Diese brachte neben der Schrifttype auch einen farbenfrohen Einrichtungsstil aus Übersee in das Gebäude ein. Wie sich zwischen diesen Welten aus strenger Industriearchitektur und verspielter Innenraumgestaltung stimmig bewegen? Dabei eine weitere Ebene finden, die der Orientierungsfunktion mit schnell und einfach erfassbaren Signalen gerecht wird, wie also sichtbar werden?

Eine Infografik zeigt verschiedene Schriftarten, Wortbilder, Icons und Pfeile, die für das Design von "John & Will" verwendet wurden. Besondere Merkmale wie geringer Zeilenabstand, verbindende Ober- und Unterlängen sowie Kontraste werden hervorgehoben.
Eine Betonwand mit der Beschilderung "kamern eten afftritt" (rooms, restaurant, restroom), die mit einem roten Licht leicht angestrahlt wird. Neben der Wand steht eine große Pflanze.
Treppenhaus mit roten Geländern und Betonwänden. An der Wand sind Stockwerksnummern '7' und '8' stilvoll gestaltet angebracht.
Ein Ausschnitt einer Zimmernummer auf einer dunklen Metallplatte, die die Zahlen "0712" zeigt. Die rechte Seite des Bildes zeigt eine rau strukturierte Betonwand.
Betonwand mit der großen, modern gestalteten Zahl '10' und dem Hinweis 'etaasch' (Stockwerk) in minimalistischer Typografie.
Weiße Toilettentür mit dem Schriftzug 'afftritt' und darunter 'restroom', gestaltet in einer modernen, kreativen Typografie.
Ein Flur mit hellgrauen Betonwänden und dekorativen Elementen. Farbige Lampen hängen von der Decke und werfen ein warmes Licht. Links sind Türen und ein Restaurantbereich sichtbar, rechts befindet sich die 'Barception', gekennzeichnet durch ein Schild.

Größe zeigen und sich zurücknehmen

Wir konnten an entscheidenden Stellen Hinweise auf Räume und Etagen auf Betonpfeilern und -wänden platzieren – großzügig und ohne dabei dick aufzutragen. So haben wir auf Fernwirkung zielend die Zierschrift ITC Bauhaus in feinen Linien ausgeführt, den Zeilenabstand verringert und durch die Über- und Unterlängen illustrative Wortbilder entstehen lassen. Mit ihr erhält das Bremer Platt eine Bühne: kamern, eten, afftritt, … – weet bescheed? Die Idee kam von Überseeinsel-Investor Klaus Meier: „So viel Lokalkolorit muss sein.” Zum Glück für alle, die der regionalen Sprache weniger oder gar nicht mächtig sind, werden die Hinweise auf Englisch mitgeliefert – gut lesbar auf Augenhöhe in der serifenlosen Schrift Lato.

Was dann folgte war viel liebevolle Fleißarbeit. Alle Markierungen wurden per schwarzen Pinselstrich aufgetragen; Glitzerpigmente geben dem Anstrich eine dezent dosierte Strahlkraft. Der direkte Auftrag auf Beton unterstützt den locker-spontanen Charakter des Silo-Hotels.

Verlaufen im Hotel? Es ist nun unwahrscheinlich, wäre aber gar nicht so schlimm. Es gibt noch einige Besonderheiten mehr zu entdecken, im John & Will.

Eine Nahaufnahme einer Betonwand mit der Beschriftung 'kamern, eten, afftritt'. Die Buchstaben sind in schwarz aufgebracht.
Ein grauer Betonwandbereich mit der Aufschrift „7 etaasch floor“ in moderner Typografie. Daneben eine schmale, vertikale Neonröhre, die den Bereich beleuchtet. Eine Tür mit einem runden Fenster ist ebenfalls sichtbar.
Ein detailreiches Foto einer Betonwand mit schwarzer Schrift. Der Text 'kamern, eten, afftritt' ist klar zu erkennen, mit einem Pfeil, der den Weg weist.
 Eine Nahaufnahme einer schwarzen, schimmernden Linie, die über eine Betonwand verläuft.
Eine graue Betonwand mit einer Beschriftung in moderner Typografie. Links zeigt ein Pfeil zur „Barception“ und rechts zur „Eten Stuven“. Ein ovaler schwarzer Rahmen hebt das Wort „etaasch floor“ hervor. Darunter befindet sich ein Metallgitter-Element.
ine moderne graue Tür mit Bullauge trägt die rote Aufschrift "John & Will". Im Hintergrund ist die Inneneinrichtung des dahinterliegenden Raumes erkennbar.
Ein Durchgang mit zwei alten, gelben Metalltüren führt zu einer modernen Tür mit der Aufschrift "John & Will" in roter Schrift. Die Wände sind aus Sichtbeton, die gelben Türen zeigen Gebrauchsspuren.