
John & Will: Orientierung auf Platt im Silohotel
Es liegt direkt an der Weser und inmitten eines der innovativsten Quartiere Bremens, der Überseeinsel: Das neue Silohotel „John & Will”. Es wurde quasi herausgefräst aus dem 11 Stockwerke hohen ehemaligen Getreidesilo von Kellogg´s. Rund 3.500 Kubikmeter Beton wichen den Fensteröffnungen, die nun neue Perspektiven auf Stadt und Strom freigeben. Unser Auftrag für das in vielerlei Hinsicht besondere Hotel: Die Signaletik – ein Orientierungssystem, das dem Ort wie auch der neuen Hotelfunktion gerecht werden sollte.




Kreation zwischen den Gestaltungslinien
Bei der ersten Begehung schien der Fall für unsere Gestalterinnen Nadine und Siena einfach: „Die Industriearchitektur, der rohe Beton … hier haben wir viel Freiraum um die Signaletik zum Hingucker und prägenden Gestaltungselement werden zu lassen.“
Dann wurde die Sache doch etwas komplexer, denn es gab einige Vorgaben zu berücksichtigen. Zwei Corporate-Schriften waren zu verheiraten, sie kamen zum einen vom Ort Überseeinsel (Schrift Lato), zum anderen von der investierenden Hotelkette (Schrift ITC Bauhaus). Diese brachte neben der Schrifttype auch einen farbenfrohen Einrichtungsstil aus Übersee in das Gebäude ein. Wie sich zwischen diesen Welten aus strenger Industriearchitektur und verspielter Innenraumgestaltung stimmig bewegen? Dabei eine weitere Ebene finden, die der Orientierungsfunktion mit schnell und einfach erfassbaren Signalen gerecht wird, wie also sichtbar werden?







Größe zeigen und sich zurücknehmen
Wir konnten an entscheidenden Stellen Hinweise auf Räume und Etagen auf Betonpfeilern und -wänden platzieren – großzügig und ohne dabei dick aufzutragen. So haben wir auf Fernwirkung zielend die Zierschrift ITC Bauhaus in feinen Linien ausgeführt, den Zeilenabstand verringert und durch die Über- und Unterlängen illustrative Wortbilder entstehen lassen. Mit ihr erhält das Bremer Platt eine Bühne: kamern, eten, afftritt, … – weet bescheed? Die Idee kam von Überseeinsel-Investor Klaus Meier: „So viel Lokalkolorit muss sein.” Zum Glück für alle, die der regionalen Sprache weniger oder gar nicht mächtig sind, werden die Hinweise auf Englisch mitgeliefert – gut lesbar auf Augenhöhe in der serifenlosen Schrift Lato.
Was dann folgte war viel liebevolle Fleißarbeit. Alle Markierungen wurden per schwarzen Pinselstrich aufgetragen; Glitzerpigmente geben dem Anstrich eine dezent dosierte Strahlkraft. Der direkte Auftrag auf Beton unterstützt den locker-spontanen Charakter des Silo-Hotels.
Verlaufen im Hotel? Es ist nun unwahrscheinlich, wäre aber gar nicht so schlimm. Es gibt noch einige Besonderheiten mehr zu entdecken, im John & Will.






