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Stadtentwicklung

Interview

Jubiläum kann mehr: Begegnung mit Dr. Christian Jaeger, Vorstand der GEWOBA

19. Juni 2024

Treffpunkt „Tarzan und Jane” in der Gartenstadt Vahr. Wir begegnen dem GEWOBA-Vorstand Dr. Christian Jaeger vor einem Gebäude, das aus dem Wettbewerb „ungewöhnlich wohnen” hervorgegangen ist – dies zu lesen auf der Stele, die vor dem zweiteiligen Mehrfamilienhaus platziert ist. Was wir von ihm wissen wollen? Im Kern – welche Haltung hinter einer gemeinsam entwickelten Jubiläumskommunikation steckt, die auf dem ersten Blick so gar nicht jubiläumshaft daher kommt.

Zwei Personen, eine Frau und ein Mann, sitzen auf einer Bank vor einem modernen Wohngebäude. Die Frau trägt eine graue Jacke und weiße Schuhe, während der Mann einen dunklen Anzug trägt. Hinter ihnen sind mehrere Fahrräder in einem Fahrradständer abgestellt. Das Gebäude hat graue Wände und grüne Akzente, mit Balkonen und großen Fenstern. Der Himmel ist blau mit einigen Wolken, und im Hintergrund sind weitere Gebäude und grüne Bäume zu sehen.
GfG-lerin Katrin Johnsen begleitet das 100-Jahr-Jubiläum der GEWOBA als Konzepterin und Texterin. Sie traf GEWOBA-Vorstand Dr. Christian Jaeger zum Interview.
Eine Infotafel vor einem modernen Wohngebäude beschreibt die 'Gartenstadt Vahr' und das Projekt 'Tarzan und Jane'. Die Tafel ist zweifarbig, grün und grau, und enthält detaillierte Informationen zu den Bauprojekten. Im Hintergrund ist ein modernes Wohngebäude mit großen Fenstern und Balkonen zu sehen. Der Bereich um die Tafel ist begrünt und gepflegt.
Treffpunkt war das GEWOBA-Gebäude „Tarzan und Jane” in der Gartenstadt Vahr. Dort steht eine der Stelen, die anlässlich des Jubiläums überall in den Quartieren aufgestellt werden.

Dr. Jaeger, die Stele hier ist eine von vielen, die jetzt zum 100-jährigen Jubiläum der GEWOBA überall in Ihren Quartieren aufgestellt werden. Sie ist Teil einer vernetzten Kommunikation, in deren Zentrum eine Website, die „Story-Map” steht.

Ganz genau. Alle, die es interessiert, können jetzt viel einfacher bei uns vorbeischauen. Entweder kommen sie online über die GEWOBA Story-Map zu uns, oder ihr erster Kontakt zu einem spannenden Projekt entsteht über eine solche Stele. Per QR-Code oder RFID kann man von der Stele aus direkt in die Story-Map eintauchen und mehr erfahren. Einzige Voraussetzung ist ein Handy und ein mobiler Internetzugang.

Eine Person hält ein Smartphone in der Hand, das die Webseite eines Bauprojekts mit dem Titel 'Tarzan und Jane' zeigt. Das Smartphone wird nahe an eine Infotafel gehalten, die einen QR-Code und ein NFC-Logo enthält. Auf der Tafel steht 'GEWOBA' und sie bietet eine Anleitung zum Abrufen weiterer Informationen über die GEWOBA Story-Map. Im Hintergrund ist ein grüner Rasen zu sehen.
Die Stelen in den GEWOBA-Quartieren verweisen auf besondere Projekte – und führen per NFC-Ship (Near Field Communication) oder QR-Code auf die „Story-Map.

Es gibt in Ihren Quartieren ja auch wirklich jede Menge tolle Projekte, die es lohnt, in Augenschein zu nehmen, wie ich durch unsere Arbeit für Sie selbst erfahren durfte. Was aber hat Sie dazu bewogen, dieses vernetzte Storytelling an den Start zu bringen? Sie hätten ja zum – wow! – 100-jährigen GEWOBA-Jubiläum auch ein rauschendes Fest mit großem Feuerwerk planen können.

Wir haben schon beim 75-jährigen Jubiläum gesagt: Wir wollen keinen Einmaleffekt, kein Knallbonbon, sondern wir wollen zum Jubiläum Dinge schaffen, die auch nachhaltig wirken. Vor 25 Jahren war das die GEWOBA-Stiftung, die wir ins Leben gerufen haben und die bis heute Schulen bei ihrer Projektarbeit unterstützt und viele Kinder erreicht.

Was kann aber heute nachhaltig sein? Dabei möglichst viele Menschen erreichen? Eine Website als lebendiger, sich immer weiter entwickelnder Treffpunkt für alle, die an Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung im Land Bremen mit allen darin enthaltenen Facetten interessiert sind, schien uns zeitgemäß. Stelen und Website werden weit über das Jubiläumsjahr hinaus ihre Wirkung erzielen.

Sie schenken also mit der Story-Map den Städten Bremen und Bremerhaven einen dauerhaften Eintritt in die GEWOBA-Welt?

Ja, und der ist nicht nur dauerhaft oder nachhaltig, sondern auch besonders niederschwellig. Die Story-Map bietet kurzweilige Informationen, man kann sein Eingangstor selbst wählen: Wofür interessiere ich mich – ist es das Quartier im Ganzen wie hier die Gartenstadt Vahr oder sind es einzelne Themenbereiche wie Häuser, Umwelt, Nachbarschaften oder die zahlreichen Kunstwerke in den Quartieren. Wirklich alle finden hier Anknüpfungspunkte.

Und wie ist das mit den Quartiersbewohner:innen selbst? Welche Wirkung hat so eine Stele vor dem Haus auf Ihre Mieterinnen und Mieter?

Guter Punkt! Die Stele macht klar: Das Projekt hier hat einen besonderen Wert, dazu gibt es eine Geschichte zu erzählen und manchmal auch Links zu weiteren Informationen. Ich glaube, die Bewohner:innen erleben die Stelen als Auszeichnung, als eine Art Upgrade, und bekommen damit eine ganz neue Perspektive auf ihr eigenes Wohnen im Quartier.

Ein modernes Wohngebäude mit zwei unterschiedlichen Fassaden: links eine graue Fassade mit großen, grünen Fenstern und rechts eine weiße Fassade mit Balkonen. Der Eingangsbereich ist durch einen gepflasterten Weg erreichbar, der von grünen Rasenflächen und jungen Bäumen flankiert wird. Ein Schild mit der Aufschrift 'Feuerwehrzufahrt' und eine Informationssäule zur 'Gartenstadt Vahr' sind ebenfalls zu sehen. Der Himmel ist bewölkt.
Eine Informationssäule zur 'Gartenstadt Vahr' steht vor einer weißen Gebäudefassade. Die Säule ist in den Farben Grün und Gelb gehalten und enthält Texte sowie eine Karte des Wohngebiets. Neben der Säule steht ein junges, frisch gepflanztes Bäumchen, das von Holzpfählen gestützt wird. Im Hintergrund sind weitere Gebäude und grüne Büsche zu sehen.

Als „GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen” könnte man auf die Idee kommen, Sie sprechen in der Story-Map über – na eben: Wohnen und Bauen. Nun gibt es aber in der Story-Map nicht nur zwei Themenblöcke, sondern sieben. Wie kommt das?

Ich denke der Grund liegt darin, dass wir vor allem den Begriff „Wohnen” weiter greifen, als nur Wohnraum anzubieten. Mietvertrag unterschrieben, fertig – das passt nicht zu uns, das ist bei uns einfach anders.

Wir verstehen Wohnen als ein wirkliches Ankommen im Quartier  – und sehen unsere Aufgabe darin, Heimat, also das Zuhause-Gefühl, auch mit allen uns verfügbaren Mitteln zu fördern. Deswegen steht in der Story-Map auch „Nachbarschaft” oder „Projekte”. Und auch unter „Umwelt” sind Angebote aufgeführt, die die Menschen im Quartier verbinden.

Vier mobile Geräte (zwei Smartphones und zwei Tablets) liegen auf einer weißen Fläche. Alle Geräte zeigen die GEWOBA Story-Map Webseite mit bunten, quadratischen Menüs für verschiedene Themen wie 'Einblicke', 'Orte', 'Themen', und 'Hintergründe'. Die Webseite ist farbenfroh gestaltet, mit gelben, grünen, blauen und roten Bereichen. Ein Smartphone und ein Tablet zeigen eine spezifische Seite mit dem Titel 'Lebenswerte Quartiere für eine lebenswerte Stadt'.

Sie fördern also als GEWOBA das „Wohnen als Zuhausegefühl”. Wie genau erreichen Sie das?

Da kommen wir dann direkt zu unserem Jubiläumsmotto: BEGEGNET EUCH! Wir wollen das Zuhausegefühl über ein gutes Miteinander und damit über gute Begegnungen auf Augenhöhe immer wieder stärken. Wir verstehen uns insofern als GEWOBA-Community. Wer bei uns wohnt, soll merken, dass wir ansprechbar sind. Dabei sind uns Vermieter-Mieter-Gefälle fremd.

Dazu fällt mir direkt das Interview von Laura Wontorra mit Aykut Tasan, dem Quartiersmanager im Schweizer Viertel (Osterholz-Tenever) ein, aufgezeichnet und eingebunden in der GEWOBA Story-Map. Herr Tasan erzählt darin unter anderem, wie wichtig ihm der „persönliche Schnack” mit den Bewohner:innen vor Ort ist.

Ja, und diese Kultur des nahbaren Miteinanders pflegen wir nicht nur mit unseren Mieterinnen und Mietern. Das erstreckt sich auf alle unsere Begegnungen. Neben Quartiersmanagerinnen und -managern sind das zum Beispiel Lieferant:innen, Handwerker:innen, Projektpartner:innen, Bauunternehmen, Architekt:innen und nicht zuletzt die Orts- und Landespolitik.

Die GEWOBA-Community beschränkt sich also nicht nur auf die gebaute Welt, sie basiert auf verschiedensten Ebenen auf einem guten Miteinander und guter Kommunikation?

Absolut. Das war übrigens schon immer so. Das Motto BEGEGNET EUCH! ist keines, das ein Ziel beschreibt, sondern ein Motto, das wir seit 100 Jahren schon mit Leben füllen. Ich denke, da spürt man auch unsere Herkunft als ursprünglich gewerkschaftlich organisiertes Unternehmen.

Eine letzte Frage zu Ihrer Jubiläumskommunikation 2024. Hebt sie sich mit ihren Zugängen im Web und im realen Raum von anderen Strategien ab, die sie vielleicht aus weiteren Kommunen kennen? Wenn ja, inwiefern?

Ach, die Wohnungsunternehmen, die ich kenne, machen alle ihren Job und haben gute und authentische Kommunikation auf dem Schirm. Was hier vielleicht bemerkenswert ist, ist neben der Wirksamkeit über das Jubiläumsjahr hinaus der wirklich niederschwellige Einstieg. Es war noch nie so einfach mehr über die GEWOBA, ihre Projekte und ihre Community zu erfahren. Dabei wird niemand ausgegrenzt, die Storys sind inspirierend und einfach geschrieben. Das macht einfach Spaß.


Ein älterer Mann in einem dunklen Anzug und hellblauen Hemd steht lächelnd neben einer Informationssäule zur 'Gartenstadt Vahr' und dem Projekt 'Tarzan und Jane'. Die Säule ist grün und grau und enthält Texte sowie Informationen über die Bauprojekte. Im Hintergrund ist ein modernes Gebäude mit weißen Wänden und einigen Fenstern zu sehen, sowie ein junges Bäumchen.

Dr. Christian Jaeger

Seit Juni 2022 lenkt Dr. Christian Jaeger die Geschicke der GEWOBA, dies gemeinsam mit Anja Passlack im Vorstandsteam. Seine Aufgabe sieht er nach eigener Aussage in der verantwortungsbewussten Weiterentwicklung des qualitätsvollen Wohnungsbestandes. Die Strategie lautet: neue bezahlbare Wohnungen, ambitionierte Maßnahmen für den Klimaschutz und ein klarer Fokus auf die Bedürfnisse der Mieterinnen und Mieter.

100 Jahre GEWOBA

Ein weiterer Bestandteil des Projektes ist eine Wanderausstellung, die wie die Stelen eng mit der Story-Map verbunden und gerade in Bremer Einkaufzentren zu sehen ist.

Mehr dazu: https://www.gfg-id.de/stadtentwicklung/100-jahre-jubilaeum-gewoba-bremen.html