29. September 2022

Katrin Johnsen im Interview: 20 Jahre GfG

Nur wenige kennen die GfG so gut wie unsere Kollegin Katrin Johnsen, die in diesem Jahr ihr 20-Jahr-Jubiläum feiert. Im Interview verrät sie uns, wie die GfG in ihrer Anfangszeit aussah, welche für sie die schönsten und schwierigsten Momente der letzten 20 Jahre waren und warum sie es noch immer mit uns aushält.



Katrin, herzlichen Glückwunsch und wow – du bist jetzt 20 Jahre Teil der GfG! Du und die GfG, war das eigentlich Liebe auf den ersten Blick?

Katrin: Ich würde fast sagen: ja. Mein Einstieg war eher ungewöhnlich, weil ich mich gar nicht wirklich beworben hatte. Ich hatte nur den Hinweis von einer Freundin bekommen, dass die GfG eventuell jemanden für den Bereich Text und Kommunikation sucht. Da habe ich einfach angerufen und mit unserem Geschäftsführer Stephan Kappen gesprochen. Ich erzählte ihm ein bisschen etwas über mich, und er sagte immer nur „Ja“. Dann war es lange still in der Leitung – bis er schließlich fragte: „Wann kannst du anfangen?“. Das war sozusagen mein Einstieg.

Das klingt ziemlich entspannt

Katrin: Naja, es wurde dann noch ein bisschen aufregend, weil meine Stelle an einen Pitch gebunden war, den wir zunächst gewinnen mussten: Es ging um das Kundenmagazin der swb. Für das Medium haben wir Rubriken konzipiert und ich habe ein, zwei Beispiel-Artikel beigesteuert. Zum Glück haben wir den Auftrag bekommen und die GfG konnte mich als Redakteurin einstellen. Ich habe das Magazin dann viele Jahre betreut.

Das Kundenmagazin der swb war Katrins Einstiegsprojekt. Die ersten Sporen musste sie sich schon im Vorfeld verdienen: Den Pitch, mit dem die GfG den Auftrag 2002 an Land zog, unterstütze Katrin mit Ideen und Texten.

Die GfG sah damals ja noch ein bisschen anders aus

Katrin: Stimmt. Das Team war viel kleiner und wir waren auch noch nicht im Alten Zollamt neben der Feuerwache im Überseehafen, sondern in einem vergleichsweise kleinen und kuscheligen Altbau in der Straße Am Dobben. Wir saßen näher beieinander und in gewisser Weise war die Atmosphäre familiärer, und tatsächlich kamen auch oft Familienmitglieder spontan vorbei. Wir haben fast immer gemeinsam in der Küche gegessen und hatten eine Dartscheibe. Wettkämpfe nach Feierabend gehörten zum Standardprogramm. Es hatte so ein bisschen was Studentisches, etwas von kreativer Kommune. Es wurde auf jeden Fall deutlich mehr geraucht.

Katrin im Jahr 2002 in ihrer Anfangszeit bei der GfG.
Die Agentur saß damals noch in einer Altbauwohnung im Bremer Stadtteil Ostertor.

Gibt es Dinge aus dieser Zeit, die du vermisst?

Katrin: Eigentlich nicht. Ich denke, dass es gut ist, dass wir uns weiterentwickelt und professionalisiert haben. Klar war es auch cool, dass wir damals viel ausprobieren konnten und unbedarft an manche Dinge rangegangen sind. Aber wir haben uns damit manchmal auch eine ziemlich blutige Nase geholt. Umgekehrt finde ich auch nicht, dass wir inzwischen festgefahren sind, nur können wir besser einschätzen, woran wir uns wagen können.

Wie beschreibst du Außenstehenden deinen Job bei der GfG?

Katrin: Eigentlich mache ich ja mehrere Jobs. Der eine ist ist im Bereich Redaktion angesiedelt. Hier geht es um Textarbeit. Da decke ich eine ziemliche Bandbreite an Formaten ab, von journalistischen Texten bis zu Kampagnenclaims. Oft geht das auch in die Kuration über, wenn ich an Ausstellungen und Ausstellungstexten mitarbeite. Da spielen dann didaktische Fragestellungen eine große Rolle: Wie übersetze ich oftmals komplexe Inhalte so, dass sie einfach aufgenommen werden können und auch im Kopf hängen bleiben? Daneben macht die Betreuung und Beratung unserer Kund:innen einen Teil meiner Arbeit aus.

Als Redakteurin führt Katrin regelmäßig Interviews, hier mit einer der Macher:innen des Filmfests Oldenburg (2021). Anlass war eine Kampagne für die Medien-Fördereinrichtung nordmedia.
2018 mit dem EY-ALTER-Projektteam. Als Konzeptionerin und Texterin wirkte Katrin daran mit, das Thema Demografischer Wandel in der Arbeitswelt in eine interaktive Ausstellung zu übersetzen.
Image-Zeitung für die Stadt Bremerhaven (2021). Die Geschichten und Texte stammen von Katrin.

Mal Hand aufs Herz: Macht das immer Spaß?

Katrin: Ich würde sagen, zu 90 Prozent macht das tatsächlich Spaß. Mein Job ist immer wieder neu und spannend. Wir haben ganz unterschiedliche Kund:innen mit einer großen Bandbreite an Themen, in die ich mich reinarbeiten darf. Jeder Tag hier ist anders, und es gibt immer wieder Überraschungen. Die große Abwechslung empfinde ich als positiv und sehr anregend. Eine Art Gratis-Lebenslanges-Lernen.

In 20 Jahren GfG gab es viele Ereignisse, Projekte und Erfolge – woran erinnerst du dich besonders gerne?

Katrin: Ich denke, dass wir mit der Ausstellung „Der mobile Mensch“ einen unglaublich großen Schritt gemacht haben. Eine sehr professionelle interaktive Ausstellung in Kooperation mit vier Bremer Unternehmen, die in der ganzen Stadt präsent war. 

Die von der GfG kuratierte Ausstellung und Aktionsplattform „Der mobile Mensch“ stellte den Menschen mit seinen Mobilitätsbedürfnissen in den Vordergrund. Sie war im Universum Bremen und an verschiedenen Orten der Stadt zu erleben.
2019 gehörte „Der mobile Mensch“ zu den Gewinnern des DDC Awards „GUTE GESTALTUNG“. In der Kategorie SPACES, die Architekturprojekte, Messeauftritte, Ausstellungen und Events prämiert, schaffte er es auf den ersten Platz.

Die Besucher:innen von „Der mobile Mensch“ konnten eigene Erfahrungswerte, Haltungen und Meinungen zum Thema einbringen und lieferten so Anhaltspunkte für die Mobilitätsforschung und Stadtentwicklung. Die Ausstellung war ein Lernformat für alle und wir haben damit viele Menschen erreicht und einen relevanten gesellschaftlichen Beitrag geleistet.

Natürlich gab es auch außerhalb der eigentlichen Arbeit viele schöne Erlebnisse im Zusammenhang mit der GfG: gemeinsame Ausflüge – Kanutouren, eine Reise nach Fehmarn oder eine Exkursion ins Ruhrgebiet zum Beispiel. Und extrem tolle Partys, wirklich legendäre Partys. Eine endete in der Bar „Heartbreak Hotel“ und wir standen alle zusammen auf der Bühne und haben gesungen.

Picknick am Werdersee (2003).
Kanutour (2016).
Exkursion nach Essen (2006).
Weihnachtsfeier „Hawaiinachten“ (2013).

Es gab aber bestimmt auch Tiefs, oder?

Katrin: Eine Phase, die schon länger zurück liegt und zum Glück einmalig war, habe ich schmerzlich in Erinnerung. Damals musste die GfG mehrere Mitarbeitende entlassen, und zwar nicht, weil die keinen guten Job gemacht haben, sondern im Gegenteil wirklich tolle Leute, weil es wirtschaftlich nicht anders ging – die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise hatten auch uns getroffen. Das war für alle eine schwere Zeit.

Mit manchen aus dem Team arbeitest du schon lange zusammen und ihr kennt euch sehr gut. Verrate uns doch mal etwas über dich, was die Kolleg:innen nicht wissen.

Katrin: Es gibt da einen Moment in meinem beruflichen Werdegang, den nicht viele mitgeschnitten haben. Während meines Architekturstudiums habe ich ein Praktikum in einem Architekturbüro in Lyon absolviert. Da habe ich die ganze Zeit Pläne für Krankenhäuser gezeichnet, die mussten vom Maßstab 1:100 in den Maßstab 1:50 übertragen werden. Ein komplettes halbes Jahr habe ich nichts anderes gemacht, das finde ich im Nachgang total verrückt. Es war aber trotzdem eine tolle Zeit, denn das ganze Drumherum, das Leben in Lyon, das war schon cool.

Wie verbringst du deine Zeit am liebsten, wenn du nicht arbeitest?

Katrin: Aktuell auf dem Tennisplatz. Ich habe heute morgen sogar schon gespielt. Diesen Sport habe ich für mich komplett wiederentdeckt. Überhaupt ist Sport ein Thema, ich laufe auch und mache Antara, ein haltungsstärkendes Körpertraining. Außerdem lese ich sehr viel, momentan am liebsten auf Englisch, um mir die Sprache wieder etwas mehr anzueignen. Und dann sind da natürlich meine schon erwachsenen Kinder. Mir ist es wichtig, immer mal wieder Zeit mit ihnen verbringen zu können.

Und woher schöpfst du die Motivation, an den Schreibtisch zurückzukehren?

Katrin: Es sind zum einen die spannenden Themen aus meinen Projekten, die mich ziehen. Und dann auch das Gefühl, da liegt eine Herausforderung vor mir. Zum Beispiel: Knacken wir den Purpose und kann ich auf den Punkt formulieren, wofür das Unternehmen steht? Oder: Schaffe ich es, eine Idee gut zu vermitteln?

In der iD-Werkstatt, dem Denk- und Experimentierraum der GfG, sind schon viele Ideen entstanden.

Du und die GfG, ihr seid über die Jahre eng zusammengewachsen. Wie hast du die GfG geprägt und wie hat die GfG dich geprägt?

Katrin: Ein Impuls, den ich vielleicht setzen konnte, ist, dass wir uns stärker über unsere Themen positionieren. Wir haben immer sehr viel über unsere Disziplinen gesprochen, also zum Beispiel, dass wir Design können oder Text oder Multimedia. Wir haben aber auch eine große inhaltliche Kompetenz, etwa in den Bereichen Klimaschutz und Energie, Mobilität oder Stadtentwicklung. Ich habe immer wieder konkrete Vorschläge entwickelt, wie wir das in unserer Kommunikation verankern können. Damit konnte die GfG nochmal eine andere Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Und wie die GfG mich geprägt hat? Was ich hier gelernt habe, ist die Wertschätzung für Menschen, die etwas können – und auch immer wieder das Staunen darüber. Also salopp gesagt wurde mir in der GfG jede Arroganz genommen, zu glauben, dass ich etwas besser weiß oder kann oder tue. In den vielen Menschen hier und auch auf Seiten unserer Kund:innen stecken so viele tolle Ideen, so viele Talente – davor habe ich großen Respekt.



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