Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht

Räume erzählen Geschichte

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Sie sind als Erinnerungs- und Lernorte von großer Bedeutung: die Gedenkstätte Gestapokeller im Osnabrücker Schloss und die Gedenkstätte Augustaschacht auf dem ehemaligen Gelände des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck bei Hasbergen. Gemeinsam mit der Agentur oblik haben wir die neue Dauerausstellung für diese beiden Orte gestaltet.

Zwei Tatorte des Nationalsozialismus

Zwischen den Gedenkstätten liegen zwar fast zehn Kilometer, aber durch ihre Geschichte sind sie eng miteinander verbunden – beide markieren Tatorte, an denen die Gestapo im Nationalsozialismus Menschen überwachte, verfolgte und terrorisierte. Der Keller im Westflügel des Osnabrücker Schlosses diente als Gefängnis und Verhörraum; von dort aus überwies die Gestapo viele Gefangene in das sogenannte Arbeitserziehungslager im Augustaschacht – einem ehemaligen Pumpengebäude des Stahlwerks Georgsmarienhütte. In diesem Lager wurden männliche Gefangene – Zwangsarbeiter aus ganz Europa, politisch Andersdenkende und Angehörige religiöser Minderheiten – brutal bestraft und ausgebeutet.

Die Orte mit all ihren Zeitschichten betrachten

Die neue Dauerausstellung stellt das Handeln der Gestapo im Regierungsbezirk Osnabrück und ihre Verbrechen an Zwangsarbeitern in den letzten beiden Kriegsjahren in den Mittelpunkt. Besucher*innen erfahren aber auch, welche Funktion die Orte in der Zeit davor bzw. danach hatten. „Im Sinne eines zeitgemäßen Verständnisses historischer Auseinandersetzung betrachten wir die Orte mit all ihren Zeitschichten“, erzählt Ulrike Rosemeier, Leiterin des GfG-Teams. Nur so könne man die Orte, wie man sie heute erlebt, auch verstehen.

Die wichtigsten Exponate sind die Räume selbst

Damit die Atmosphäre der Orte bewahrt bleibt, stellt die Ausstellung die Räume in den Vordergrund, macht sie selbst zu den wichtigsten Exponaten. „Die Herausforderung lag vor allem darin, die beiden historische Orte mit Zeitzeugenberichten und Bild- und Textdokumenten so behutsam zu verbinden, dass die Räume anfangen, Geschichte zu erzählen“, erklärt Ulrike Rosemeier. Dafür „distanziert“ sich die Ausstellung: Alle Elemente sind konsequent in der Raummitte angeordnet, halten Abstand zu den Wänden, verstellen den Blick nicht. Die Gestaltung lenkt den Blick immer wieder auf den historischen Ort.

Mit der neuen Ausstellung zieht eine zeitgemäße Museumspädagogik ein

Die Vermittlung der Informationen folgt ebenfalls modernen museumspädagogischen Konzepten. So können Besucher*innen der Gedenkstätte Augustaschacht die Räume selbständig mit einem Tablet erkunden und darüber deren unterschiedlichen Zeitschichten wahrnehmen. 180-Grad-Fotos verknüpft mit Raumskizzen machen die lagerzeitlichen Baustruktur sichtbar. Vertiefende Informationen wie Biografien und Audioberichte können per Knopfdruck eingeblendet werden. Auch viele Ausstellungsmodule sind mit modernen Vermittlungstools wie Touchscreens, Audiodokumenten und Projektionen ausgestattet.

Die Ausstellung setzt sich im Außenbereich fort: Über einen neu gestalteten Rundweg entlang an verschiedenen Relikten wie den Fundamenten des früheren Latrinengebäudes wird die Geschichte des Ortes zugänglich gemacht. Auch hier bietet der Mediaguide auf dem Tablet zusätzliche Vertiefungsebenen.

Gestapo-Kartei für Besucher*innen geöffnet

Im Zentrum der Ausstellung im ehemaligen Gestapokeller im Osnabrücker Schloss steht ein besonderes Ausstellungsstück: die Kartei der Osnabrücker Gestapo. Fast 50.000 Karten sind überliefert und wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts digitalisiert und verschlagwortet. Besucher*innen der Gedenkstätte können in der digitalen Kartei selbständig recherchieren.

Gedenkstätten rechnen mit mehr Besucher*innen

Bisher besuchten jedes Jahr im Schnitt 7.000 Menschen die beiden Gedenkstätten und ihre zahlreichen Veranstaltungen. Mit der neuen Dauerausstellung werden es in Zukunft wohl noch deutlich mehr werden. Viele Angebote speziell für Schüler*innen und Jugendliche wie Workcamps und Zeitzeugenprojekte machen die historischen Zusammenhänge und die Erinnerungskultur für die junge Generation zugänglich. Insbesondere für diese so wichtige politische Bildungsarbeit bieten sich mit der Ausstellung viele neue Perspektiven.